Traditionswerk in Baden-Württemberg soll für immer schließen

Eine Luftaufnahme einer großen Fabrik. Vor der Fabrik stehen zahlreiche Lkw, die Waren abholen. Rund um das Gebäude befinden sich zahlreiche Parkplätze mit Autos.
Symbolbild © istockphoto/jackaldu

Ein Traditionswerk in Baden-Württemberg steht vor dem Aus: Der französische Mutterkonzern plant Werksschließungen und Stellenabbau. Hunderte Beschäftigte bangen um ihre Zukunft – und eine ganze Region um ihre Industriegeschichte.

Ein Paukenschlag erschüttert eine ganze Region: Ein Traditionswerk in Baden-Württemberg steht vor dem Aus.

Region verliert industrielles Herzstück

Es ist ein Schock, der viele kalt erwischt. Der französische Haushaltswarenkonzern Groupe SEB greift hart durch – und trifft dabei mitten ins Herz einer traditionsreichen Industrieregion. Betroffen ist unter anderem das Werk in Riedlingen (Kreis Biberach), das seit 1956 besteht und für Generationen von Beschäftigten mehr war als nur ein Arbeitsplatz.

Seit 2016 gehört die deutsche Traditionsmarke WMF mit Sitz in Geislingen an der Steige zum französischen Mutterkonzern. Nun sollen gleich drei Werke dichtmachen: Neben Riedlingen trifft es auch Hayingen (Kreis Reutlingen) und Diez in Rheinland-Pfalz. In Riedlingen werden Töpfe und Pfannen der Weltmarke gefertigt, in Hayingen Messer, in Diez Backformen. Künftig sollen diese Produkte offenbar im Ausland – Medienberichten zufolge im asiatischen Raum – hergestellt werden. Rund 250 Arbeitsplätze stehen insgesamt auf der Kippe, allein in Riedlingen sind etwa 130 Menschen betroffen. Für die Stadt ist das ein herber Schlag, denn das Werk zählt neben der Feinguss Blank GmbH zu den wichtigsten Arbeitgebern vor Ort.

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600 Stellen in der DACH-Region bedroht

Die Werksschließungen sind Teil eines größeren Sparpakets. In der gesamten DACH-Region sollen bis zu 600 Stellen wegfallen, europaweit sogar rund 800. Betroffen sind Verwaltung, Vertrieb, Marketing, Stores – und eben Teile der Produktion. Insgesamt beschäftigt Groupe SEB in der DACH-Region rund 4.400 Menschen. Begründet wird der drastische Schritt mit der Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit. Der Gewinn vor Zinsen und Steuern schrumpfte zuletzt um 25 Prozent auf 601 Millionen Euro. Der Konzern verspricht, den Stellenabbau möglichst sozialverträglich zu gestalten – durch freiwillige Maßnahmen, natürliche Fluktuation und Vorruhestand.

Unklar ist bislang, wie sich die Pläne auf den WMF-Hauptsitz in Geislingen auswirken werden. Dort gilt seit zwei Wochen Kurzarbeit. Laut WMF stehe diese jedoch nicht im Kontext der SEB-Pläne. Die Geschichte von WMF reicht bis ins Jahr 1853 zurück. Damals gründete Daniel Straub gemeinsam mit den Brüdern Schweizer eine Metallwarenfabrik, aus der später die Württembergische Metallwarenfabrik entstand. Heute nutzen laut Angaben des Unternehmens täglich mehr als 100 Millionen Menschen weltweit Produkte der Marke. Die gute Nachricht ist, dass immerhin das Werk in Geislingen nicht schließen wird. Die Produktion der Profi-Kaffeemaschinen bleibt, während die Produktion in Riedlingen/Hayingen/Diez beendet wird.

(Quellen: eigene Recherche der KA-Insider-Redakteure, Groupe SEB WMF Shared Services GmbH)