
Ein traditionelles Tier steht kurz davor, aus den Wäldern des Schwarzwalds zu verschwinden. Einst ein Symbol für Weite und Wildnis, kämpft es heute ums nackte Überleben.
Ein legendärer Bewohner des Schwarzwalds verschwindet – lautlos und beinahe unbemerkt. Nun schlagen Naturschützer Alarm.
Trauriger Abschied von einem Schwarzwald-Symbol
Wer jemals im Morgengrauen über moosige Waldböden gewandert ist, kennt die besondere Magie des Schwarzwalds: Stille, Nebelschwaden, ein leiser Ruf aus den Baumwipfeln. Doch genau dieses Geräusch könnte bald verstummen. Ein traditionelles Tier, eng verwoben mit der Geschichte und dem Bild der Region, steht kurz vor dem Aussterben. Neue Zählungen zeigen: Nur noch rund 200 Exemplare leben im gesamten Schwarzwald – verstreut und ohne dauerhaften Austausch zwischen ihren Restpopulationen. Besonders dramatisch ist die Lage im Süden. Dort existiert der Bestand nur noch rund um den Feldberg. Während sich im Norden noch ein kleiner weiterer Bestand hält, fehlen die Verbindungen, die den genetischen Austausch sichern würden. Die Folge: schwächere Nachkommen und geringere Überlebenschancen.
Es geht um das Auerhuhn, den größten Hühnervogel Europas. Vor allem die Männchen mit ihrem schillernden Gefieder und dem markanten Balzruf sind beeindruckende Erscheinungen – und längst Symbolfiguren, zum Beispiel im Logo der Brauerei Hasseröder. Doch Schönheit allein schützt nicht. Das Auerhuhn ist anspruchsvoll: Es braucht lichte Wälder, Durchblicke, Heidelbeersträucher und offene Sandflächen. Genau das aber verschwindet zunehmend. Zu dichte Forste, der stetig wachsende Lärm durch Wanderer, Schneeschuhläufer und Mountainbiker, aber auch Forstarbeiten stören die scheuen Vögel beim Brüten und Fressen.
Hoffnung durch Schutz – aber die Zeit drängt
Das Land Baden-Württemberg hat reagiert und den „Aktionsplan Auerhuhn“ bis 2028 verlängert. Geplant sind gezielte Waldauflichtungen, mehr Heidelbeerflächen und vor allem: Ruhe. Nur ungestörte Tiere können sich erfolgreich vermehren. Ehrenamtliche zeigen schon konkreten Einsatz: Im Schenkenzeller Gemeindewald wurden auf zwei Hektar neue Lebensräume geschaffen – mit offenen Einflugschneisen für bessere Orientierung. Wichtig zu wissen: Auerhühner sind streng geschützte Wildvögel. Privathaltung ist verboten; wer die Vögel jagt, riskiert Strafen – von Bußgeldern in der Größenordnung von 5.000 Euro bis hin zu einer Freiheitsstrafe.
Der nationale Vogelschutzbericht zeigt insgesamt ein gemischtes Bild: Während wärmeliebende Arten wie Wiedehopf oder Bienenfresser profitieren, geraten klassische Wald- und Agrarvögel zunehmend unter Druck. Ob das Auerhuhn eine Zukunft hat, entscheidet sich jetzt. Jede Störung zählt – und jede Hilfe auch.
(Quellen: Vogelschutzbericht 2025, NABU, Land Baden-Württemberg)













