
Ein Wolf kommt Menschen gefährlich nah, Politiker schlagen Alarm – doch ein Gericht zieht die Notbremse. Warum der Abschuss nun im Schwarzwald gestoppt wurde und der Streit weiter eskaliert.
Er streift durch dunkle Wälder, kommt Menschen näher als erlaubt – und sorgt für Nervosität. Doch ein Gericht bremst nun einen umstrittenen Plan.
Ein Wolf sorgt für Unruhe
Noch vor wenigen Tagen schien alles entschieden. In den Hochlagen des Schwarzwalds, rund um die Hornisgrinde, lief eine außergewöhnliche Aktion an. Ein Wolf kam dem Menschen beunruhigend nahe. Die Stimmung kippte, die Debatte eskalierte. Förster, Anwohner und Lokalpolitiker schlugen Alarm. Zu zutraulich, zu wenig Scheu, so der Vorwurf. Am vergangenen Dienstag zog die Landesregierung die Reißleine: Erstmals seit fast 180 Jahren sollte im Schwarzwald wieder ein Wolf abgeschossen werden. Möglich machte das eine artenschutzrechtliche Ausnahme, denn eigentlich stehen Wölfe unter strengem Schutz.
Ein anonymes Spezialistenteam wurde beauftragt, das Tier aufzuspüren und zu töten. Die Begründung: Der Wolf stelle eine potenzielle Gefahr für die öffentliche Sicherheit dar. Zudem wuchs die Sorge vor einem regelrechten Wolfstourismus. Immer mehr Menschen wollten das seltene Tier sehen, filmen, fotografieren – ein riskantes Spiel für Mensch und Tier. Offenbar ist der Rüde auf der Suche nach einer Partnerin und nähert sich deshalb immer wieder Hunden – und damit zwangsläufig auch Menschen.
Naturschützer ziehen vor Gericht
Doch dann kam die Kehrtwende. Ein Naturschutzverein klagte gegen die Abschussgenehmigung – mit Erfolg. Das Verwaltungsgericht Stuttgart stoppte den Abschuss vorerst. Die Richter sahen keine akute Gefahr, die ein sofortiges Töten rechtfertige. Entscheidend: Der Abschuss könne, falls nötig, auch zu einem späteren Zeitpunkt noch erfolgen. Unterstützt wurde die Klage vom bekannten Wolfsexperten Wolfgang Epple. Für ihn ist die Entscheidung ein Etappensieg. In Baden-Württemberg gebe es derzeit nur vier nachgewiesene Wölfe, argumentiert er. Einen von ihnen zu töten, sei aus seiner Sicht rechtswidrig.
Die Debatte trifft einen wunden Punkt. Die Rückkehr des Wolfs nach Deutschland gilt als Erfolg der europäischen Artenschutzpolitik. Bundesweit wurden zuletzt rund 219 Wolfsrudel gezählt, besonders im Süden breiten sich die Tiere aus. Zwar nahmen Übergriffe auf Nutztiere bis 2021 deutlich zu, doch seither ist die Zahl stark gesunken. 2025 wurden nicht einmal halb so viele Schafe, Ziegen oder Rinder gerissen wie noch vier Jahre zuvor. Im Schwarzwald bleibt die Lage angespannt. Der Wolf lebt – vorerst. Doch die Diskussion um Sicherheit ist längst nicht beendet.
(Quellen: eigene Recherche der KA-Insider-Redakteure, Angaben des Verwaltungsgerichts Stuttgart, Umweltministerium Baden-Württemberg, SWR, Naturschutzinitiative e. V.)














