
Die Zahl der Fälle steigt aktuell in Baden-Württemberg spürbar an – und Experten warnen vor einer deutlichen Verschärfung in den kommenden Jahrzehnten, besonders in ländlichen Regionen.
Ob vergessene Namen, verlegte Schlüssel oder plötzlich verschwundene Termine – hinter solchen alltäglichen Momenten steckt oft mehr. Deswegen schlagen renommierte Experten nun Alarm.
Besonders ländliche Regionen betroffen
Während viele die Krankheit zunächst kaum bemerken, könnte sie Baden-Württemberg in den kommenden Jahrzehnten vor enorme Herausforderungen stellen. Die Rede ist von Demenz. Eine Heilung gibt es bis heute nicht. Doch die Zahl der Betroffenen steigt stetig an. Aktuell leben nach Angaben der AOK knapp 150.000 Menschen mit einer Demenzerkrankung in Baden-Württemberg. Und die Entwicklung zeigt deutlich nach oben: Bis zum Jahr 2060 könnte die Zahl auf mehr als 280.000 Fälle anwachsen.
Doch nicht alle Regionen werden gleichermaßen von dem Anstieg betroffen sein. Vor allem ländliche Gebiete im Nordosten Baden-Württembergs stehen vor einer besonders starken Zunahme. Der Grund liegt in der Altersstruktur: Dort leben überdurchschnittlich viele ältere Menschen, und Demenz tritt meist erst im höheren Lebensalter auf. Schon heute zeigen sich deutliche Unterschiede.
Was jeder gegen Demenz tun kann
Die gute Nachricht: Viele Demenzerkrankungen lassen sich möglicherweise verhindern. Wissenschaftler gehen davon aus, dass etwa jede zweite Neuerkrankung durch gezielte Prävention vermieden werden könnte. Würden entsprechende Maßnahmen konsequent umgesetzt, könnten sich die Fallzahlen bis 2060 statt bei über 280.000 zwischen 170.000 und 200.000 stabilisieren. Zu den wichtigsten Schutzfaktoren gehören die Behandlung von Bluthochdruck und Diabetes, eine gute Herz-Kreislauf-Gesundheit, Bildung und lebenslanges Lernen sowie die Behandlung von Hörstörungen. Auch soziale Kontakte im Alltag sowie der Verzicht auf Rauchen können das Risiko senken.
Wichtig ist außerdem, erste Warnzeichen ernst zu nehmen. Werden Namen, Wörter oder Termine über einen Zeitraum von mehreren Monaten zunehmend vergessen, sollte dies ärztlich abgeklärt werden. Oft bemerken Angehörige die Veränderungen zuerst. Spezialisierte Gedächtnisambulanzen können mit modernen Untersuchungen feststellen, ob tatsächlich eine beginnende Demenz oder eine andere Ursache hinter den Beschwerden steckt. Eine weitere Herausforderung: Während die Zahl der Erkrankten steigt, schrumpft die Zahl der Menschen im erwerbsfähigen Alter. Kamen 2020 noch rund 48 Erwerbstätige auf einen Demenzfall, werden es laut Prognosen 2060 nur noch 23 sein. Die stille Krankheit könnte damit das gesamte Gesundheitssystem vor große Aufgaben stellen.
(Quellen: AOK Baden-Württemberg, Wissenschaftliches Institut der AOK (WIdO))














