
In Seewald sorgt der Streit um vier neue Windräder für mächtig Zündstoff: Die Gemeinde zieht gegen die Genehmigung vor Gericht – und die Vorgeschichte hat es in sich.
In Seewald brodelt es: Obwohl die Gemeinde längst auf Windkraft setzt, sorgt ein neuer Beschluss für Ärger. Jetzt landet der Streit sogar vor Gericht.
Windkraft-Streit eskaliert
Eigentlich könnte Seewald als Vorzeigegemeinde für Windkraft gelten. In der Gemeinde im Kreis Freudenstadt drehen sich bereits 21 Windräder, verteilt auf zwei Windparks. Erst am Samstag hat man die letzten acht Anlagen in Betrieb genommen. Doch für den Ortsteil Besenfeld ist damit offenbar eine Grenze erreicht. Anwohner, Bürgermeister und Gemeinderat meinen: Es reicht. Trotzdem gibt es nun neue Pläne für den Ausbau. Das Landratsamt Freudenstadt hat vier weitere Windenergieanlagen genehmigt.
Für die Gemeinde ist das ein schwerer Schlag – und offenbar einer, den sie nicht einfach hinnehmen will. Denn nach Angaben der Gemeinde geht es nicht nur um die zusätzlichen Windräder. Durch die Genehmigung könnten auch Pachteinnahmen in sechsstelliger Höhe verloren gehen. Bürgermeister und Gemeinderat kritisieren deshalb, dass die regionale Interessenlage vor Ort bei der Entscheidung übergangen wurde. Die Genehmigung kam zu einem Zeitpunkt, der für zusätzlichen Zündstoff sorgt.
Genehmigung kurz vor neuem Windkraftplan
Die Baugenehmigung wurde einen Tag vor der Verabschiedung des neuen Windkraftplans des Regionalverbands Nordschwarzwald erteilt. Nach dem neuen Plan hätten die vier geplanten Anlagen nicht mehr gebaut werden dürfen. Im Gemeinderat und in Besenfeld kamen deshalb Spekulationen über möglichen politischen Druck aus dem Umweltministerium in Stuttgart auf. Landrat Andreas Junt (parteilos) weist diesen Vorwurf zurück. Junt verteidigt die Entscheidung seines Landratsamts. Die Genehmigung sei rechtlich korrekt erfolgt. Die Frist für Einwendungen sei um 23:59 Uhr abgelaufen. Jetzt soll ein Gericht klären, ob alles tatsächlich mit rechten Dingen zuging. Die Gemeinde Seewald hat Klage beim Verwaltungsgerichtshof Baden-Württemberg in Mannheim eingereicht.
Der Ausbau der Windenergie in Baden-Württemberg nimmt zwar Fahrt auf. Im ersten Halbjahr 2026 kamen 33 Windenergieanlagen mit zusammen 169 Megawatt Leistung hinzu. Für das Ziel von 100 neuen Anlagen pro Jahr reicht das allerdings noch lange nicht. Mit einer Gesamtleistung von fast siebzig Gigawatt erzeugt die Onshore-Windkraft in Deutschland inzwischen fast ein Viertel des deutschen Strommixes. Die Branche beschäftigt nach eigener Aussage rund 130.000 Menschen und sieht sich als wichtigen Motor der klimafreundlichen Energiewende.
(Quellen: SWR, LRA Freudenstadt, VGH BW)














