
Die Weinberge im Südwesten geraten immer stärker unter Druck: Hitze, Kosten und sinkender Weinkonsum setzen den Winzern zu. Baden-Württemberg verliert ein Kulturgut – und mit ihm ein vertrautes Stück Heimat.
Die Trauben hängen längst nicht mehr dort, wo sie früher hingen – und auch die Weinlese läuft plötzlich anders. Für Baden-Württemberg wird das zum Problem.
Plötzlich ist Mitte August schon Erntezeit
Es ist ein Anblick, der nachdenklich macht: Wo sich früher ordentlich gepflegte Rebreihen über die Hänge zogen, wachsen heute Brombeeren und wildes Gestrüpp. Immer mehr Weinberge in Baden-Württemberg verwildern. Eine Kulturlandschaft, die ganze Regionen prägt, droht Stück für Stück zu verschwinden. Dabei steht der Weinbau im Südwesten gleich von mehreren Seiten unter Druck. Der Klimawandel setzt den Reben zu, gleichzeitig steigen die Kosten – und immer weniger Menschen greifen überhaupt noch zum Weinglas.
Wie dramatisch sich das Klima verändert, zeigte sich in diesem Jahr besonders deutlich. Wegen der extremen Hitze und Trockenheit startete die Weinlese bereits Mitte August. Die Trauben blieben durch die schwierigen Bedingungen häufig kleiner. Für die Winzer bedeutet das: weniger Ertrag, aber gleich viel Arbeit. Gleichzeitig steigt bei viel Sonne und Hitze der Zuckergehalt. Die Folge sind eher kräftige Weine. Das Problem: Der Geschmack der Kundschaft entwickelt sich laut Experten gerade in die andere Richtung. Gefragt sind zunehmend leichtere Weine mit weniger Alkohol. Der Badische Weinbauverband betont, dass Weinberge unterschiedlich stark betroffen sind. Entscheidend sind unter anderem Boden, Wasserspeichervermögen, das Alter der Reben und die Verteilung der Niederschläge. Ältere Rebstöcke können mit ihren tiefen Wurzeln Trockenperioden teilweise besser überstehen. 2026 gilt dennoch als außergewöhnlich. Der Verband rechnet damit, dass die Weinlese durch den Klimawandel auch künftig immer früher beginnen wird.
Wenn die Weinberge zuwuchern
Hitze und Trockenheit sind dabei längst nicht die einzigen Sorgen. Extreme Wetterlagen nehmen insgesamt zu. Starkregen und Hagel können innerhalb weniger Minuten eine komplette Ernte beschädigen. Auch Schädlinge profitieren von den veränderten Bedingungen. Für manchen Winzer wird das zu viel. Die Folge ist sichtbar: Rebflächen werden aufgegeben, Weinberge verwildern. In Baden-Württemberg schrumpft die bestockte Rebfläche bereits seit Jahren. 2025 waren es noch 25.822 Hektar – drei Prozent weniger als im Jahr zuvor.
Und dann sind da noch die Kosten. Personal, Diesel, Energie und Logistik werden teurer. Gleichzeitig trinken die Menschen in Deutschland immer weniger Wein. Der Pro-Kopf-Verbrauch lag zuletzt bei 21,5 Litern – fast zwölf Prozent weniger als noch vier Jahre zuvor.
(Quellen: StaLa BW, DWI)














