Wohn-Frust Baden-Württemberg: Familien fliehen aus den Städten

In der Fußgängerzone einer großen Stadt reihen sich die unterschiedlichen Geschäfte dicht aneinander. Viele Menschen laufen die Straße hoch und sind mit Einkaufstüten oder Taschen bepackt.
Symbolbild © imago/Westend61

Der Wohn-Frust in Baden-Württemberg wächst stetig. Viele Familien fliehen bereits aus den Städten und suchen in der Umgebung nach einer Bleibe. Ein Ende ist nicht in Sicht.

Dieses Problem ist schon lange bekannt, aber eine Lösung gibt es scheinbar nicht. Der Wohn-Frust in Baden-Württemberg zieht nun weite Kreise, da viele Familien aus den Städten fliehen. Dem hochgepriesenen Großstadtleben können viele einfach nichts mehr abgewinnen.

Lebendig, vielfältig und voller Chancen

Wohnen in Großstädten ist lebendig und vielfältig, voller Chancen und neuer Begegnungen. In den Städten finden sich kurze Wege zu Arbeit, Bildung, Kultur und Freizeit, was das Alltagsleben komfortabel und spannend macht. Die Vielfalt der Stadtviertel sorgt für eine reiche Auswahl an Restaurants, Geschäften, Events und sozialen Kontakten. Moderne Neubauviertel bieten funktionale Wohnungen mit guter Infrastruktur, während historische Häuser Charme und Charakter verleihen. Grünflächen, Parks und bepflanzte Straßen laden zum Entspannen ein und schaffen erholsame Oasen. Doch trotz dieser Möglichkeiten fliehen insbesondere Familien aus den Städten, und der Wohn-Frust ist so groß wie nie.

Haupteinzugsregionen vor den Toren der Großstädte

Stuttgart, Mannheim, Karlsruhe, Freiburg, Heidelberg und Pforzheim gelten als die sechs größten Städte Baden-Württembergs. In den 2000er-Jahren wirkten diese Städte wie Anziehungspole, und die Bevölkerung wuchs kontinuierlich. Doch seit dem Jahr 2013 hat sich dieser Trend gedreht, denn es verlassen mehr Menschen die Städte als zuzuziehen. Für junge Erwachsene sind die Städte hingegen noch immer attraktiv, da viele nach Stuttgart, Freiburg oder Karlsruhe zum Studieren oder für den ersten Job ziehen. Der Höchstwert der Abwanderung bei der Gruppe der 30- bis 49-jährigen wurde im zweiten Jahr der Pandemie erreicht, als die sechs größten Städte mehr als 10.000 Menschen verloren. Die Gründe für den Wohn-Frust und die Flucht aus den Städten liegen auf der Hand.

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Neben der Nähe zur Natur und besseren Umweltbedingungen ist der Hauptgrund wohl der bezahlbare Wohnraum. Seit dem Jahr 2015 flüchteten Hunderttausende nach Deutschland, und die meisten von ihnen fanden zunächst in den Großstädten Unterschlupf. Obwohl viele Familien wegzogen, wuchs die Stadtbevölkerung weiter an, und die Mieten stiegen. Die Infrastruktur wuchs jedoch nicht mit, sodass ausreichend Kindertagesstätten, Grünflächen und Parkplätze fehlen. So liegen die Haupteinzugsregionen nun direkt vor den Toren der Großstädte. Die meisten Familien aus Mannheim und Heidelberg zieht es in den Rhein-Neckar-Kreis, während Familien aus Karlsruhe in den Landkreis Karlsruhe und aus Stuttgart in die Kreise Ludwigsburg oder Esslingen flüchten.

(Quellen: Statistisches Landesamt Baden-Württemberg, Kommunalverband für Jugend und Soziales BW, Immobilienmarktberichte Südwest)