
Männer verursachen mehr Unfälle als Frauen – und das deutlich häufiger mit schweren Folgen. Eine Statistik stellt alte Klischees infrage und zeigt überraschende Unterschiede im Fahrverhalten.
Ein kurzer Moment der Ungeduld, ein riskantes Überholmanöver oder ein Tritt aufs Gaspedal – und plötzlich endet eine Fahrt in der Katastrophe.
Riskantes Verhalten mit fatalen Folgen
Wer baut die gefährlicheren Unfälle? Eine aktuelle Auswertung aus Baden-Württemberg liefert eine klare Antwort. Obwohl sich hartnäckig das Klischee hält, Männer seien die besseren Autofahrer, sprechen die Zahlen eine andere Sprache. Zumindest dann, wenn es um Sicherheit geht. Nach Angaben des Verkehrsministeriums verursachen männliche Autofahrer satte 86 Prozent aller Unfälle mit Personenschaden. Bei tödlichen Verkehrsunfällen liegt der Anteil der Männer als Verursacher bei rund siebzig Prozent. Frauen schneiden deutlich besser ab – obwohl sie keineswegs selten hinter dem Steuer sitzen.
Lange hieß es, Männer hätten schlicht mehr Unfälle, weil sie auch mehr fahren. Doch genau dieses Argument gerät jetzt ins Wanken. Das Verhältnis der gefahrenen Kilometer liegt laut Statistik bei etwa sechzig zu vierzig zwischen Männern und Frauen. Bei tödlichen Unfällen beträgt das Verhältnis jedoch siebzig zu dreißig. Besonders deutlich wird der Unterschied bei schweren Unfällen: Verursachen Männer 1.000 Unfälle, sterben dabei im Durchschnitt zwölf Menschen. Bei Autofahrerinnen sind es dagegen sechs Todesopfer. Experten sehen die Ursachen hauptsächlich im Verhalten am Steuer. Männer gelten als risikofreudiger, aggressiver und wettbewerbsorientierter. Dazu kommen soziale Rollenbilder und der Wunsch, Stärke oder Überlegenheit zu demonstrieren.
Alkohol, Tempo, Ego: Die Statistik ist eindeutig
Auch bei den konkreten Unfallursachen zeigt sich ein drastisches Bild. So verursachten im vergangenen Jahr 1.425 Männer in Baden-Württemberg Unfälle unter Alkoholeinfluss. Bei Frauen lag die Zahl lediglich bei 140. Noch größer ist der Unterschied beim Thema Geschwindigkeit. Wegen zu schnellen Fahrens bauten 4.638 Männer einen Unfall – bei Frauen waren es nur 1.300.
Der Wirtschaftswissenschaftler Boris von Heesen schätzt die gesellschaftlichen Mehrkosten durch riskantes männliches Verhalten im Straßenverkehr auf rund 13 Milliarden Euro jährlich. Doch was hilft gegen Aggression und gefährliches Verhalten am Steuer? Experten raten daher zu mehr Gelassenheit. Nicht jedes dichte Auffahren sei automatisch eine Provokation. Oft kann schon ein kurzer Moment des Durchatmens verhindern, dass aus Ärger eine gefährliche Situation wird.
(Quellen: Verkehrsministerium Baden-Württemberg, Unfallstatistik, Polizei, dpa)














