
Die Bevölkerung in Baden-Württemberg wächst weiter – auch dank Migration. Neue Zahlen zeigen, wie stark Zuwanderung den Südwesten prägt und welche Herausforderungen durch Alterung und weitere Faktoren entstehen.
Baden-Württemberg wächst – doch ohne Zuwanderung sähe die Bevölkerung ganz anders aus. Wer ins Land zieht, wer geht, und was das für die Zukunft bedeutet.
Migration hält Baden-Württemberg am Leben
Auf den ersten Blick wirkt alles stabil: Mehr als 11,2 Millionen Menschen leben aktuell in Baden-Württemberg. Auf den zweiten Blick wird die Dimension der Zuwanderung sichtbar: Ohne sie hätte das Land kaum sieben Millionen Einwohner – ein Unterschied von über vier Millionen! Seit 1952 sind netto mehr als 4,1 Millionen Menschen aus dem In- und Ausland nach Baden-Württemberg gezogen. Besonders extreme Zuwanderungsgewinne gab es 1990 mit rund 182.300 Menschen, 2015 mit 170.500 und 2022 mit 178.200. Im Durchschnitt kamen in den vergangenen Jahrzehnten jedes Jahr etwa 56.400 Menschen hinzu – circa so viele wie die Einwohnerzahl von Baden-Baden. Klar wird damit: Ohne Migration wäre nicht nur die Zahl der Menschen kleiner, sondern auch Wirtschaft, Infrastruktur und Gesellschaft wären auf andere Art strukturiert.
Während Migration das Land stabilisiert, steigt parallel ein anderer Wert: die Zahl der Abschiebungen. Im vergangenen Jahr wurden so viele Straftäter wie noch nie aus Baden-Württemberg ausgewiesen – 1.046, rund ein Drittel mehr als im Vorjahr, bestätigte das Ministerium für Justiz und Migration. Auch die Gesamtzahl der Abschiebungen wächst rasant. 2025 waren es 3.397 Menschen, im Jahr davor 2.873. Die meisten gingen nach Georgien, Nordmazedonien, in die Türkei, den Kosovo, nach Gambia und Serbien.
Älter, weniger Kinder – die Herausforderung der Zukunft
Während Migration die Bevölkerung heute stabil hält, zeigt ein Blick nach vorn, dass Baden-Württemberg vor tiefgreifenden Veränderungen steht. Bis 2040 wird die Zahl der Menschen ab 75 Jahren landesweit um etwa ein Drittel steigen, in einzelnen Landkreisen sogar deutlich mehr. Im Landkreis Schwäbisch Hall könnten 2040 rund 29.000 Senioren leben – ein Plus von sechzig Prozent. In Bad Friedrichshall sogar um über achtzig Prozent.
Kleinstädte und ländliche Regionen sind besonders betroffen. Experten warnen: Immer mehr alte Menschen bedeuten weniger Ehrenamtliche, weniger Engagement in Vereinen oder Feuerwehren – soziale Strukturen geraten unter Druck. Gleichzeitig wird die Gesellschaft deutlich mehr Pflegebedürftige haben. Städte und Kommunen müssen frühzeitig planen, um den Herausforderungen der Überalterung zu begegnen.
(Quellen: eigene Recherche der KA-Insider-Redakteure, Angaben des Statistischen Landesamts Baden-Württemberg)














