Urban Gardening in Karlsruhe: Nachhaltigkeit beginnt auf dem eigenen Balkon

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Nicht jeder kann sich glücklich schätzen, auf dem Land zu leben und sich in einer intakten Natur beim Gärtnern zu verwirklichen.

Urbanes Gärtnern erschließt Wege und Möglichkeiten, auch in den Innenstädten und auf kleiner Fläche seinen grünen Daumen unter Beweis zu stellen und damit Umwelt und Artenschutz ins Auge zu fassen. Gab es noch bis vor wenigen Jahren kaum Angebote, hat Karlsruhe diesbezüglich aufgeholt und kann konkrete Projekte und Zielsetzungen vorweisen.


Urbanes Gärtnern – ein Hobby mit Tiefgang

Regionales Obst und Gemüse auch in den Städten anzubauen, ist vielen Hobbygärtnern ein Bedürfnis. Statt tristem Grau sollen blühende Landschaften entstehen. Die Blütenpracht vor der eigenen Haustür lockt Insekten an und hilft, bedrohte Arten zu erhalten und in die Großstädte zurückzuholen. Nicht zuletzt soll urbanes Gärtnern gegen die Anonymität der Großstadt ankämpfen und Menschen mit gleichen Interessen und Werten näher zusammenrücken lassen. Weiterhin sind vermehrte Lebensmittelskandale ein Grund dafür, die Versorgung mit Obst und Gemüse in die eigenen Hände zu nehmen.

Nachhaltigkeit konkretisieren – Projekt: „GrüneLunge im Dialog“ Vor mehr als einem Jahr ist in Karlsruhe das Projekt „GrüneLunge im Dialog“ gestartet. Seither hat sich in der Fächerstadt einiges getan. Vorträge über urbanes Gärtnern fanden statt, bereits bestehende Projekte wurden besucht und man kam am runden Tisch zusammen, um über Zukünftiges zu beraten.

In Rheinstetten wurde zum Tag der offenen Gärten eingeladen. Allgemein fanden einige unterschiedliche Mitmach-Aktionen, die auch im Internet angeboten werden, regen Zuspruch. Die Besucher testeten ihr Wissen bei einem Pflanzen-Quiz und konnten am Basteltisch Platz nehmen. In Gruppendiskussionen standen Anlage und Pflege von naturnahen Gärten im Vordergrund. Eine Exkursion zeigte Beispiele auf, wie urbanes Gärtnern in Karlsruhe bereits erfolgreich umgesetzt wurde.

Gemeinschaftsgärten – einer für alle

Das Projekt der Gemeinschaftsgärten findet mehr und mehr Anhänger. Städtische Grundstücke werden von mehreren Personen bewirtschaftet. Häufig wird auf eine Umzäunung verzichtet und die Gärten sind öffentlich zugänglich. Dies unterstützt den naturnahen Charakter und sensibilisiert gleichzeitig eine breite Masse für den Umwelt- und Nachhaltigkeitsgedanken.

Gemeinschaftsgärten werden häufig auch von Kindereinrichtungen, Kirchengruppen oder politischen Vereinigungen genutzt. Meist wird die Fläche eines Gemeinschaftsgartens nicht urbar gemacht. Der Boden wird in seinem ursprünglichen Zustand belassen. Alle Bepflanzungen werden in transportablen Gefäßen vorgenommen. Hierfür eignen sich beispielsweise Hochbeete, Kartoffelsäcke, Regentonnen oder Paletten. Ein mobiler Garten bietet den großen Vorteil, ohne Aufwand an einen anderen Ort umziehen zu können, wenn das genutzte Areal von der Kommune zurückverlangt und bebaut werden soll.

Die Fächergärtner von Karlsruhe

Die Fächergärtner habe es sich zur Aufgabe gemacht, urbanes Gärtnern in Karlsruhe zu etablieren, die Menschen zu mehr Nachhaltigkeit zu bewegen und dahingehend zu sensibilisieren, Alternativen zu Insektenvernichtungsmitteln zu finden, um die Artenvielfalt zu erhalten. So laden bereits viele Parks in Karlsruhe zum Verweilen und Spazieren ein. Auch der Schlossgarten ist eine beliebte Anlaufstelle der Stadt.

Unweit des Otto-Dullenkopf-Parks befindet sich der Gemeinschaftsgarten beim Schloss Gottesaue. In der Oststadt sind die Fächergärnter seit Jahren aktiv und bewirtschaften ein 750 qm großes, sonniges Areal. Die Fläche ist im Besitz der Stadt Karlsruhe und des Landes Baden-Württemberg. Das Projekt wurde im Herbst 2012 vom Umweltzentrum in der Kronenstraße (BUZO) ins Leben gerufen.

Etwa 30 aktive Gärtner haben die Fläche in eine blühende Oase verwandelt. Gartenkräuter, Bauernblumen und alte, beinahe vergessene Gemüsesorten haben hier ihren Platz gefunden. Die in einer Klotzbeute, einem ausgehölten Baumstamm, angesiedelten 20.000 Bienen finden ein reiches Nahrungsangebot.

Das Areal steht jedem offen. Es darf von den Kräutern und Beeren genascht werden. Da der Boden leider Giftstoffe enthält, mussten essbare Pflanzen in Hochbeete, Pflanzkisten und andere Gefäße ohne Bodenkontakt gesetzt werden. Mitmachen kann jeder, der sich für urbanes Gärtnern begeistert. Zwischen April und Oktober finden jeweils mittwochs ab 18.30 Uhr Treffen vor Ort statt, wo man sich über die Arbeit informieren und nach freien Beeten erkundigen kann.

Urbanes Gärtnern in Karlsruhe:

· Oststadt: Marstall (Musikhochschule), gegenüber Haltestelle „Schloss Gottesaue und Purino“

· Südweststadt: Mathystraße: 6-10 (Mitmachladen)

· Weststadt: Budo-Club, Hildapromenade, unweit Blücherstraße

· Kronenplatz

· Mühlburg: Ecke Sonnenstraße/Steubenstraße, „Wiese in der Senke“

· Grötzingen: Grezzoplatz, unweit Rathausplatz und Pflegeheim

Naturnahes Gärtnern zum Anfassen

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Es gilt, die Naturräume in den Städten auszubauen. Dabei sind nicht nur städtische Grünflächen im Fokus. Den Privatgärten in den Großstädten soll größere Bedeutung beigemessen werden. Die Fläche derartiger Grundstücke umfasst in Deutschland mehr als die Hälfte der vorhandenen Naturschutzgebiete.

Die Kampagne „Naturnah Gärtnern – für Mensch, Tier und Klima“ macht die Bedeutung von Kleingärten deutlich und ruft die Besitzer dazu auf, ihre Gärten naturnah zu gestalten und den Tieren ihre Lebensräume in den Städten zu erhalten. So ist das Überleben für viele Wildbienen-Arten auch im Siedlungsbereich möglich. Das Angebot an Nahrung und Nistmöglichkeiten gilt es auszubauen. Kein Insekten- und Pflanzenvernichtungsmittel einzusetzen, sollte zur Selbstverständlichkeit werden.

Gerade Insektenvernichter mit Klebefolie oder Pheromonen sind bei Balkon- und Gartenbesitzern beliebt. Bessere Alternativen sind Lebendfallen. So lassen sich beispielsweise trotz Bienensterben Fliegenfallen aufstellen. Die Tiere bleiben somit am Leben und die entspannte Atmosphäre im Garten trotzdem gewährt. Generell gilt es, die Artenvielfalt zu erhalten. An vielen Orten hat sich der Bestand von Bienen, Schmetterlingen, Hummeln und anderen Insekten um 75 Prozent verringert. Durch weniger Bestäubung fällt auch die Nahrungsgrundlage für andere Tiere weg – ein Kreislauf, den es zu unterbrechen gilt.

Nachhaltigkeit für Anfänger – der Balkongarten

Wer keinen eigenen Garten besitzt, kann seinen Beitrag zu Umwelt- und Artenschutz auch auf dem heimischen Balkon leisten. Gemüsepflanzen, Kräuter und Balkonblumen bieten Nahrung für Schmetterlinge, Wildbienen und Hummeln. Die Kräuter sollten nicht in den herkömmlichen Pflanztöpfen aufgestellt werden. Sie entwickeln sich in Kästen und Kübeln viel besser, da ihnen mehr Nährstoffe zur Verfügung stehen und sich die Wurzeln besser ausbreiten können.

Ein bienenfreundlicher Balkonkasten lässt sich wie folgt gestalten:

· Lavendel

· Pfefferminze

· Thymian

· Männertreu

· Vanilleblumen

· Steinkraut

Für den Gemüsegärtner bieten sich folgende Sorten an:

· Gurken

· Salat

· Tomaten

· Zucchini

· Chili

Natürlich werden Insekten in geschlossenen Räumen als störend empfunden. Hierbei kann die Anbringung eines Insektengitters an der Balkontür helfen. Eine neuartige Methode sind Lebendfallen für Insekten. Damit werden Bienen und Hummeln in der Wohnung nicht zur Last und können vielleicht beim nächsten Spaziergang durch die Fächergärten von Karlsruhe in die Freiheit entlassen werden.