„Am Netz bleiben“: Karlsruher Kohlekraftwerk soll jetzt helfen

Ein deutsches Atomkraftwerk in Betrieb
Symbolbild © istockphoto/pwmotion

Aufgrund der Energiekrise wird derzeit nach alternativen Lösungen gesucht. Eine davon könnte das Kohlekraftwerk Karlsruhe sein.

Eigentlich war der Atomausstieg schon längst beschlossene Sache. Doch nun verzögert er sich im Südwesten. Denn Ministerpräsident Winfried Kretschmann hält den Weiterbetrieb des Meilers Neckarwestheim II für richtig.

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Dies zumindest ist die Meinung von Thomas Strobl. Er ist der Vize-Regierungschef. Kretschmann ist jedoch anderer Meinung. Er lobt Robert Habeck von den Grünen für sein klares Konzept. Seiner Ansicht nach schafft dies frühe Klarheit für die Betreiber und Sicherheit für die Bürger.

Während Thomas Strobl meint, die Ampel-Koalition würde nicht weitsichtig regieren, hält Kretschmann die Regierung und deren Vorgehen für konsequent, vorausschauend und verantwortungsbewusst.

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Gegenstand der Debatten sind derzeit die Atomkraftwerke Isar 2 und Neckarwestheim. Robert Habeck erklärte am Dienstagabend deren Weiterbetrieb über das Jahresende hinaus.

 Beide Meiler sollen als Reserve dienen

Die beiden Werke sollen im ersten Quartal 2023 am Netz bleiben und somit eine Reserve in der aktuellen Lage darstellen. Habeck setzte sich bereits mit den Betreibern in Verbindung und einigte sich auf die Eckpunkte zur Umsetzung der geplanten Energiereserve bis spätestens Mitte April 2023.

Dies ist eine wichtige Maßnahme, denn die Lage auf dem französischen Strommarkt ist angespannt. Dort sind mehr als die Hälfte der Atomkraftwerke nicht mehr am Netz. Dadurch fehlen enorme Strommengen. Diese gleicht Deutschland teilweise mit Strom aus Gaskraftwerken aus.

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Vor der Sommerpause gab es jedoch noch andere Aussagen von Kretschmann und der Thekla Walker, der Umweltministerin von den Grünen. Beide erklärten mehrfach, es droht ein Gasmangel und kein Strommangel. Doch jetzt ist die Lage offenbar anders. Ein Stromenetzengpass droht. Und um diesen in Süddeutschland zu verhindern, bereitet der Energieversorger EnBw sein AKW Neckarwestheim II im Kreis Heilbronn für einen möglichen Weiterbetrieb vor. Jedoch längstens bis zum 15. April nächsten Jahres.

Die CDU forderte bereits vor Monaten einen Weiterbetrieb

Strobl kritisiert dieses Vorgehen. Denn die CDU forderte bereits vor einiger Zeit einen Weiterbetrieb über den Winter. Trotzdem begrüßt er, dass Habeck endlich eine Einsicht gezeigt hat.

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Auch Kretschmann hatte diesen Plan von der CDU abgelehnt. Es gehe nicht so, wie die CDU das wolle. Das waren seine Worte.

Die EnBW fährt den Meiler nun zunächst am 31. Dezember runter. Danach entscheidet die Bundesregierung, wie es weitergeht. Damit eine weitere Stromproduktion möglich ist, wird der Reaktorkern der Anlage mit vorhandenen teilverbrauchten Brennelementen neu zusammengesetzt und wieder hochgefahren. Dieses Vorgehen gewährleistet eine Stromproduktion von bis zu 1,7 Kilowattstunden.

Der ursprüngliche Plan sah anders aus. Die letzten drei Meiler Neckarwestheim II, Isar 2 und Emsland sind die letzten drei noch laufenden Atomkraftwerke in Deutschland. Diese sollten Ende des Jahres endgültig vom Netz gehen.