
Autos sind in diesem Karlsruhe-Stadtteil nicht mehr gern gesehen. Nach langem politischen Ringen steht nun die Entscheidung an. Die Debatte zeigt, wie schwer der Abschied vom Auto ist.
Ein neues Verkehrskonzept möchte gezielt Autos aus einem bestimmten Karlsruhe-Stadtteil verbannen. Für Anwohner und Gewerbe stellt sich die Frage, wie die Mobilität der Zukunft aussehen soll.
Knapp: Nur zwei zögerliche Ja-Stimmen brachen die Blockade
Nach über einem Jahr politischer Blockade und einer hitzigen Debatte hat der Durlacher Ortschaftsrat in dieser Woche endlich ein Verkehrskonzept für die Altstadt beschlossen. Es handelt sich um einen stark verwässerten Kompromiss, der jedoch nur noch wenig mit der einstigen Vision gemein hat. Aber es ist ein erster, konkreter Schritt: Der Wille, langfristig weniger Autos in diesen Karlsruher Stadtteil zu lassen, ist nun offiziell. Die Geschichte des Konzepts ist eine Geschichte mit überraschenden Wendungen. Bereits Ende 2023 hatte der Rat einen Plan beschlossen, der eine deutliche Erweiterung der Fußgängerzone und ein Ende des Schleichverkehrs vorsah. Noch im Mai 2024 haben die Grünen von einer baldigen Umsetzung berichtet. Doch im November 2024 kippte eine neue Mehrheit aus CDU, FDP, Freien Wählern und AfD diesen Beschluss.
In der letzten Sitzung drohte Ortsvorsteherin Alexandra Ries (parteilos) mit dem kompletten Scheitern jahrelanger Vorarbeit, sollte keine Einigung erzielt werden. Nach eineinhalb Stunden Rededuell gaben schließlich zwei Mitglieder der Freien Wähler den Ausschlag. Sie stimmten mit sichtlicher Überwindung für den Kompromissvorschlag der Verwaltung. Die Abstimmung war somit mit 12 zu 9 Stimmen extrem knapp. Außerdem fallen die konkreten Maßnahmen jetzt viel geringer aus, als sie ursprünglich geplant waren. Daher wird klar, dass der Karlsruhe-Stadtteil bei Weitem nicht alle Autos verbannen wird. Statt einer umfassenden Neugestaltung wird man die Fußgängerzone lediglich in Richtung Osten erweitern. Die im alten Entwurf zentrale Vergrößerung nach Westen ist endgültig gestrichen.
Vom großen Traum zur Realität: Das ist vom großen Wurf übrig geblieben
Ebenfalls bleibt die Prinzessenstraße zunächst für Autos in beide Richtungen geöffnet, obwohl Fachleute davor gewarnt hatten, dass dies die Verkehrsberuhigung in anderen Altstadtbereichen wiederum untergraben könnte.
Als letzte Möglichkeit behält sich die Verwaltung jedoch vor, nach einer einjährigen Beobachtungsphase bei weiterhin hohem Verkehrsaufkommen doch noch eine Einbahnstraßenregelung für die Prinzessenstraße einzuführen.
Der Beschluss markiert das Ende einer Blockade, aber auch einen Rückschritt für die ursprünglichen Ziele. Aus dem einst ganzheitlichen Konzept wurde ein Minimalkonsens, der insbesondere verhindert hat, dass die Pläne komplett in der Schublade verschwinden. Die Umsetzung kann beginnen – ob sie die Altstadt lebenswerter macht, bleibt jedoch offen.
(Quellen: Stadt Durlach, Gemeinderat)














