Autofreie Zone: Karlsruhe bekommt die nächste Fahrradstraße

Zu sehen ist eine reine Fahrradstraße in der City einer deutschen Innenstadt. Der rosa-rote Fahrradweg auf der Straße zeigt an, dass dies eine autofreie Zone ist. Zusätzlich sind rot-weiße Poller aufgestellt, damit kein Auto durchkommt.
Symbolbild © imago/ Jürgen Held

Eine weitere autofreie Zone wird jetzt in Karlsruhe zur Realität werden. Der neue Eingriff begann zunächst nur als Verkehrsversuch, spaltet aber inzwischen die Gemüter in der Fächerstadt.

Die Diskussion um eine autofreie Zone in Karlsruhe nimmt Fahrt auf. Denn die neue Maßnahme sorgt sowohl für Zustimmung als auch für Kritik.

Viele sehen in der neuen Regel einen Schritt zu mehr Lebensqualität

In der Sophienstraße greifen bald neue Regeln – zumindest für alle Autos. Ab dem 11. August wird zwischen der Reinhold-Frank- und der Scheffelstraße ein sogenannter „Modalfilter“ eingebaut. Dabei handelt es sich um eine bauliche Diagonalsperre auf Höhe der Karlsruher Lessingstraße, die eine teils autofreie Zone schafft: Fahrräder dürfen weiterhin in beide Richtungen passieren, für Autos ist an dieser Stelle künftig Schluss.

Der Begriff „Modalfilter“ stammt aus der Verkehrsplanung. Gemeint sind bauliche Sperren, die bestimmte Fahrzeuge gezielt fernhalten – meistens Autos, die nur durchfahren wollen. Ziel ist es, Straßen in Wohngebieten zu beruhigen, Schleichwege unattraktiv zu machen und den Raum für Fuß- und Radverkehr sicherer zu gestalten. Genau das will Karlsruhe nun in der Sophienstraße umsetzen. Der Modalfilter an der Lessingstraße soll verhindern, dass Autos die Nebenstraße als Durchgang nutzen – insbesondere dann, wenn es auf der parallelen Kaiserallee staut. Bereits im Sommer 2024 hatte die Stadt einen Verkehrsversuch durchgeführt. Die Auswertung ergab: Die Diagonalsperre brachte spürbare Entlastung für das Quartier – insbesondere für den Radverkehr, der hier eine vielgenutzte Ost-West-Verbindung zwischen Innenstadt und Mühlburg bildet.

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Zwischen Lob und Kritik: Die Debatte um Karlsruhes neue autofreie Zone geht weiter

Entgegen dem Wunsch einiger Demonstranten, die auf dem Marktplatz eine komplett autofreie Zone in Karlsruhe forderten, bleibt die Sophienstraße für Autos grundsätzlich befahrbar – allerdings mit Umwegen. Von der Reinhold-Frank-Straße kommend darf man künftig nur noch rechts in die Lessingstraße zur Kaiserallee abbiegen. Aus Richtung Scheffelstraße muss man ebenfalls in die Lessingstraße – jedoch in Richtung Kriegsstraße. Eine direkte Durchfahrt ist nicht mehr möglich.

Laut Tiefbauamt bleibt jedes Gebäude weiterhin mit dem Auto erreichbar – die Maßnahme lenkt den Verkehr, statt ihn zu blockieren. Fußgänger und Radfahrer können die Straße unverändert in beiden Richtungen nutzen.

Im Karlsruher Planungsausschuss stieß diese Lösung auf Zustimmung. Aljoscha Löffler von den Grünen sieht darin einen ersten Schritt zu einer menschenfreundlicheren Stadt. Tilman Pfannkuch (CDU) fordert jedoch eine Evaluation nach einem Jahr – möglicherweise sei die Sperre dann überflüssig.

Einigkeit bestand darin, dass die Stadtplanung offen und für alle gut einsehbar arbeitete. Klar ist aber: Die Diskussion um autofreie Zonen in Karlsruhe wird weitergehen.