Bürger abkassiert: Karlsruhe erhebt neue Gebühren für Müllabfuhr

Auf dem Gehweg vor einem Einfamilienhaus in der Einfahrt steht eine gelbe Tonne, die voll mit Säcken von Verpackungen ist. Der Deckel lässt sich überhaupt nicht mehr schließen. Sie ist übervoll. Ab nächstem Jahr gibt es neue Gebühren für Müll.
Symbolbild © imago/Sven Simon

Mit dem neuen Jahr gelten in Karlsruhe höhere Gebühren für die Müllabfuhr, die viele Haushalte treffen. Dabei sind die gestiegenen Kosten nicht einmal das einzige Problem.

Dank des neuen Systems müssen Karlsruher Bürger nun höhere Gebühren für ihre Müllabfuhr blechen. Doch diese Tatsache bringt noch ganz andere Komplikationen mit sich.

Nicht nur teurer, sondern auch chaotischer: Die neue Müll-Realität

Das neue Jahr bringt für die Bürger im Landkreis Karlsruhe eine bittere Neuerung: Die kostenlose Sperrmüllabholung ist Geschichte. Stattdessen greift eine neue Pauschalgebühr. Für die Abholung eines Kubikmeters Restsperrmüll sind jetzt pauschal 15 Euro fällig. Wer es eilig hat, zahlt für denselben Service sogar bis zu 48,35 Euro. Die Begründung des Landratsamts zielt auf mehr Gebührengerechtigkeit. Analysen hätten ergeben, dass etwa die Hälfte der Haushalte bisher über die allgemeine Müllgebühr für das kostenlose Sperrmüllangebot mitbezahlt habe, es aber nie in Anspruch genommen habe. Um diese versteckten Kosten fairer zu verteilen, führte der Kreistag die Nutzungsgebühr ein.

Doch diese neuen Gebühren für die Müllabfuhr in Karlsruhe bringen nicht nur höhere Kosten, sondern auch ein ganzes Bündel anderer Probleme mit sich. Das beginnt schon mal bei der Umstellung auf ein reines Online-Buchungs- und Bezahlsystem. Berichte von frustrierten Bürgern, die mit der neuen Technik hadern, mehren sich. Die größte Befürchtung ist jedoch, dass die neuen Hürden und Kosten zu mehr illegalen Müllablagerungen in der Natur führen könnten. Und diese Sorge scheint nicht ganz unbegründet. Kommunale Berichte aus Karlsruher Stadtteilen wie Neureut dokumentieren bereits jetzt, dass öffentliche Containerstandorte vermehrt zu illegalen Ablageplätzen für Sperrmüll und anderen Unrat werden. Die Stadtverwaltung spricht von einem kontinuierlichen Anstieg solcher Vorfälle.

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Bezahlen, klicken, hoffen: Hinzu kommt der permanente Online-Frust

Selbst für die zahlungswilligen Bürger ist der neue Service derzeit keine verlässliche Lösung. Wegen akuten Personalmangels und der Urlaubszeit kommt es im gesamten Landkreis zu massiven Betriebsstörungen. Die reguläre Müllabfuhr hat bis zu zwei Tage Verspätung, die Sperrmüllabholung in den südlichen Gemeinden hinkt deutlich hinterher. Aktuell warten über 6.800 Haushalte auf die Abholung ihrer angemeldeten Sperrgüter.

Als einzige Alternative zum gebührenpflichtigen Abholservice existiert derzeit ein kostenfreies Bringsystem an einem Standort in Bruchsal. Eine Ausweitung dieses Angebots auf den gesamten Landkreis, insbesondere den Süden, werde zwar geprüft, sei aber nicht in Sicht. Für die Bürger bleibt vorerst nur die Möglichkeit: bezahlen, auf den Termin hoffen und Geduld beweisen.

(Quellen: Team Sauberes Karlsruhe, Müllabfuhr)