CDU und Klima-Aktivisten: Veganes Essen an Karlsruher Schulen

Kinder holen sich in der Schulkantine ihr Mittagessen. Ein Junge mit roter Kapuzenjacke nimmt sich gerade etwas vom Buffet auf seinen Teller. An immer mehr Schulen gibt es inzwischen auch ein veganes Angebot. Das Schulessen ist kaum noch bezahlbar.
Symbolbild © istockphoto/SDI Productions

Wenn es ums Essen an Karlsruher Schulen geht, liegen CDU und Klimaaktivisten plötzlich auf einer Wellenlänge – zumindest fast. Was die einen mit Fleisch lösen wollen, schaffen die anderen vielleicht ganz ohne.

Die Debatte ums Essen an Karlsruher Schulen eint ungewöhnliche Verbündete. Doch beim Blick auf den Teller gehen die Meinungen dann wieder auseinander.

Wenn der Feind plötzlich Freund wird: Vegans for Future loben CDU-Antrag

Eigentlich könnten die Fronten klarer nicht sein: Auf der einen Seite die CDU, auf der anderen Seite Klimaaktivisten von Vegans for Future. Doch beim Blick auf die Speisepläne der Karlsruher Schulen entdecken sie plötzlich Gemeinsamkeiten. Dass ausgerechnet diese beiden Lager nun gemeinsame Sache machen, verwundert auf den ersten Blick – doch der zweite Blick auf die Zahlen zeigt, warum das Thema so viele bewegt. Rund 32.800 allgemeinbildende Schulen gibt es in Deutschland, Millionen Kinder werden täglich verpflegt – auch in Karlsruhe. Was landet da eigentlich auf dem Teller? Die CDU-Fraktion im Gemeinderat schlug kürzlich Alarm: Hochverarbeitete Ersatzprodukte, fettige Soßen und süße Hauptgerichte wie Kaiserschmarren prägten viel zu oft den Speiseplan. Die Forderung der Union: Mehr Fleisch, mehr Hülsenfrüchte, weniger Fertigprodukte.

Klingt nach klassischer Unionspolitik. Doch dann meldeten sich die Vegans for Future zu Wort und reagierten mit ungewohntem Wohlwollen. Die Initiative begrüßt das grundsätzliche Engagement der CDU-Fraktion – natürlich mit Einschränkungen. Besonders die Forderung nach mehr Hülsenfrüchten findet Zustimmung. Linsen, Bohnen und Erbsen gelten als hervorragende Eiweiß- und Ballaststoffquellen, fördern die Verdauung und sättigen nachhaltig. Eine stärkere Einbindung dieser Lebensmittel sei ein konkreter Schritt hin zu einer ausgewogeneren Ernährung.

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Harmonie und Zwist: Zucker, Fett, Klimaschutz und die ewige Fleischfrage

Doch beim Fleisch hört die neu entdeckte Harmonie dann auf. Die CDU argumentiert mit Gesundheit: Fleisch liefere hochwertiges Protein, das der Körper gut verwerten könne. Die Vegans for Future kontern mit Tierwohl, Klimabilanz und Inklusion. Eine vegane Basisverpflegung würde nicht nur Ressourcen schonen, sondern auch Speisevorschriften verschiedener Religionen respektieren und Allergikern das Leben erleichtern. Zudem verweisen die Aktivisten auf Umfragen, wonach jungen Menschen zwischen 14 und 29 Jahren Tierwohl besonders wichtig sei.

Bleibt die Frage, was bei den Kindern ankommt. Dampfnudeln mit Vanillesoße sind nun mal beliebter als Rosenkohl – das weiß jeder, der schon einmal in einer Mensa war. Die CDU warnt vor einer schleichenden Zuckergewöhnung, wenn süße Hauptgerichte dauerhaft zur Wahl stünden. Die Stadtverwaltung orientiert sich bei der Vergabe der Essensverträge an Kriterien der Deutschen Gesellschaft für Ernährung. Und seit 2022 spielt dabei auch die CO₂-Bilanz eine Rolle.

Am Ende eint beide Seiten zumindest die Erkenntnis: Der Speiseplan muss sich ändern. Nur wie – darüber wird noch gestritten.

(Quellen: CDU-Fraktion im Karlsruher Gemeinderat, Vegans for Future Karlsruhe)