Chaos: Tier-Invasion mitten in Karlsruhe – Straße wird abgeriegelt

Eine gesperrte Straße in einer deutschen Stadt von vorne aufgenommen. Hier ist kein Durchkommen. An den Seiten stehen Bäume und hohe Wohnhäuser. In Karlsruhe ist eine fertiggestellte Straße schon wieder kaputt.
Symbolbild © istockphoto/MarioGuti

In Karlsruhe wird eine gesamte Straße abgeriegelt – und zwar mitten in der Stadt. Die Gründe dafür sind ungewöhnlich und zeigen zudem ein dramatisches Naturproblem, das oft unterschätzt wird.

Eine Karlsruher Straße wird für mehrere Wochen abgeriegelt. Nicht aufgrund einer Baustelle oder eines Unfalls – sondern wegen einer massiven Invasion, die die Stadt zum Handeln zwingt.

Nächtliche Wanderung: Wenn Tausende unterwegs sind, sperrt die Stadt die Straße

Was sich derzeit in Durlach abspielt, liest sich wie ein Naturschauspiel aus einem Film. Tausende Molche sind unterwegs, und die Stadt Karlsruhe reagiert drastisch: Sie sperrt den Mastweidenweg. Straßenbarrikaden für kleine Amphibien – das klingt erst einmal absurd, ist aber absolut nötig. Grund für das Amphibien-Drama ist übrigens die Paarungszeit. Ab Februar wandern Kammmolche, Berg- und Teichmolche zu ihren Laichgewässern. Doch es gibt ein Problem: Dazwischen liegt ein stark frequentierter Radweg, den auch Autos nutzen. Eine tödliche Strecke für die Tiere. Und dieses Jahr ist das Aufkommen sogar besonders hoch. Zu hoch für ehrenamtliche Helfer allein.

Deshalb ist der Mastweidenweg seit Anfang dieser Woche bis zum 30. März nachts von 18 bis 6 Uhr für Radfahrer und Autos komplett gesperrt. Eine Umleitungsroute über Ostring und Durlacher Allee ist notwendig. Es ist ein erheblicher Eingriff ins Stadtleben, doch es geht nicht anders. Denn hier handelt es sich um streng geschützte Arten. Kammmolche stehen auf der Roten Liste, und ihr Bestand schrumpft dramatisch. Der Klimawandel trocknet Laichgewässer aus, und ein tödlicher Pilz (Chytridpilz) dezimiert die Bestände auf der ganzen Welt.

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Ein tödlicher Pilz, ausgetrocknete Gewässer, und das Desaster ist perfekt

In Weingarten zeigt sich das Drama in Zahlen: Vor 20 Jahren wurden dort noch über 8.000 Amphibien pro Saison über die Straße getragen. Heute sind es unter 4000. Die Erdkröten-Population sank sogar von 2000 auf 350 Tiere. Es ist ein Kollaps im Zeitraffer.

Die Sperrung am Mastweidenweg ist also nicht nur Chaos, sondern vor allem Rettung. Und sie funktioniert nur, wenn die Karlsruher Geduld aufbringen – und wissen, wofür sie den Umweg fahren müssen. Amphibien haben also derzeit Priorität. Danach normalisiert sich der Verkehr dann wieder. Vielleicht.

(Quellen: eigene Recherche der KA-Insider-Redakteure, Stadt Karlsruhe)