Elterntaxis im Visier: Schulen bei Karlsruhe starten neue Aktion

Einige Kinder, die dunkle Kleidung tragen und damit schwer zu erkennen sind, überqueren mit ihren Schulranzen auf dem Rücken eine stark befahrene Straße. An den Seitenstreifen parken zudem einige Fahrzeuge, sodass die Kinder möglicherweise zu spät gesehen werden.
Symbolbild © imago/Funke Foto Services

Jeden Morgen und Nachmittag dasselbe Bild vor Karlsruhes Schulen: Die Eltern fahren in Scharen mit dem Auto bis vor das Schulgebäude, um ihre Kinder abzusetzen. Diese Elterntaxis verstopfen nicht nur die Straßen, sie bergen auch ein gewisses Risiko.

Diese sogenannten „Elterntaxis“ sorgen nicht nur für Stau, sondern auch für gefährliche Situationen rund um die Schulgebäude. Die Eltern stehen unter Druck, reagieren in vielen Situationen gereizt und falsch. Genau hier setzt eine neue Aktion an, an der sich mehrere Schulen in der Region Karlsruhe beteiligen.

Gegen Elterntaxis: Neue Aktion an Schulen bei Karlsruhe

Mit der bundesweiten Initiative SpoSpiTo sollen Kinder dazu motiviert werden, ihren Schulweg wieder häufiger zu Fuß, mit dem Roller oder mit dem Fahrrad zurückzulegen. Herzstück der Kampagne ist der sogenannte Bewegungs-Pass. Schüler sammeln dabei über mehrere Wochen hinweg Stempel, wenn sie ihren Schulweg ohne Auto zurücklegen. Wer seinen Schulweg aktiv zurücklegt, bekommt im Pass einen Stempel. Nach einer bestimmten Anzahl von Tagen können die Kinder an einer Verlosung teilnehmen oder kleine Preise gewinnen. Vor allem aber sollen sie erleben, dass Bewegung im Alltag Spaß machen kann und gar nicht so kompliziert ist.

Die Aktion verfolgt mehrere Ziele gleichzeitig. Einerseits möchten Schulen und Initiatoren den Verkehr vor den Schulgebäuden reduzieren. Gerade morgens kommt es häufig zu unübersichtlichen Situationen, wenn viele Autos gleichzeitig vorfahren. Seit Jahren warnen Organisationen wie der ADAC und die Deutsche Verkehrswacht davor, dass Elterntaxis die Sicherheit von Kindern paradoxerweise gefährden können, da sie den Verkehr rund um Schulen verdichten. Andererseits geht es auch um Gesundheit und Bewegung. Viele Kinder bewegen sich im Alltag weniger als früher. Kurze Wege, die früher selbstverständlich zu Fuß zurückgelegt wurden, werden heute oft von den Eltern mit dem Auto übernommen. Mit Programmen wie dem „Bewegungs-Pass“ sollen Schülerinnen und Schüler wieder mehr Bewegung in ihren Tagesablauf integrieren.

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Bewegungspass: Schüler sollen zu Fuß zu Schulen bei Karlsruhe kommen

Interessant ist dabei ein Effekt, den viele Schulen beobachten. Die Aktion wirkt oft über die eigentliche Kampagne hinaus. Obwohl der Bewegungs-Pass meist nur etwa sechs Wochen läuft, bleiben viele Kinder auch danach häufiger zu Fuß unterwegs. Einige bilden Laufgruppen mit Freunden oder verabreden sich auf dem Schulweg. Unterstützung erhalten die Schulen dabei von Bildungs- und Verkehrsorganisationen.

Auch das Ministerium für Kultus, Jugend und Sport Baden-Württemberg engagiert sich für sichere Schulwege und mehr Bewegung im Alltag von Kindern. Programme wie SpoSpiTo ergänzen die bestehenden Initiativen für Gesundheit und Verkehrssicherheit daher ideal. Für Eltern bedeutet das jedoch nicht, dass Autos grundsätzlich tabu sind. In manchen Fällen – etwa bei längeren Strecken oder schlechten Wetterbedingungen – ist das Auto nach wie vor eine praktische Lösung. Die Aktion soll ein Umdenken anstoßen. Wenn der Schulweg kurz genug ist, kann er oft auch ohne das Elterntaxi bewältigt werden.

(Quellen: SpoSpiTo, ADAC, Deutsche Verkehrswacht)