
Die Pflöcke sind eingeschlagen, die Karten neu gezeichnet: Der Schwarzwald soll ab sofort größer werden. Was das konkret bedeutet – und welche neuen Tiere davon profitieren.
Ein politischer Streit ist nach Jahren beigelegt. Die Konsequenz ist offiziell: Der Schwarzwald soll eine ganze Spur wilder und damit deutlich größer werden.
Die große Vision: Mehr Platz für Tiere, mehr Wildnis für die Natur
Seit einem Jahrzehnt lebte der einzige Nationalpark Baden-Württembergs mit einem Schönheitsfehler: Er war zweigeteilt. Doch mit dem Jahreswechsel tritt die lang umkämpfte Erweiterung offiziell in Kraft. Der Nationalpark Schwarzwald wächst, wird größer und schließt endlich seine Lücke. Nach intensiven Verhandlungen mit der traditionsreichen Waldgenossenschaft Murgschifferschaft ist der entscheidende Schritt vollzogen. Durch einen wertgleichen Flächentausch wächst der Park um rund 1.200 Hektar. Das mag auf den ersten Blick nach wenig klingen, doch für den Artenschutz ist es ein Quantensprung. Die beiden bisher getrennten Teile um den Ruhestein und den Hohen Ochsenkopf sind nun durch ein zusammenhängendes Waldstück zwischen Murg und Hundsbach verbunden. Aus zwei Inseln der Wildnis wird dadurch ein größeres, durchgängiges Refugium.
Der Sinn dieser Verbindung wird am Beispiel des Auerhuhns klar, einer der bedrohtesten Vogelarten des Schwarzwalds. Etwa die Hälfte der letzten 100 Tiere lebt am Rand des bisherigen südlichen Parkteils. Für das Überleben der Population ist es überlebenswichtig, dass sie sich ausdehnen und neue Lebensräume besiedeln kann. Auch für andere scheue Arten wie den Dreizehenspecht oder unzählige Insekten, die nur kurze Distanzen wandern, schafft der Lückenschluss entscheidend bessere Überlebenschancen.
Lebensbrücke: Von der Kartenänderung zum Überlebensraum
Wenn der Schwarzwald indessen größer wird, wird er auch ein Stück wilder werden. Somit darf die Natur in der neuen Kernzone wieder ihrem eigenen Rhythmus folgen. Hier wachsen Bäume, sie altern und sterben, ohne dass der Mensch eingreift. Diese ungestörte Dynamik ist der Schlüssel für eine einzigartige Artenvielfalt.
Der Lückenschluss macht den Schwarzwald also nicht nur auf der Karte größer. Er schafft vor allem mehr Raum für unberührte Naturprozesse und gibt seltenen Arten eine echte Überlebenschance. Es ist ein Kompromiss, der zeigt, dass ambitionierter Naturschutz und die berechtigten Interessen der Menschen vor Ort kein Widerspruch sein müssen.
(Quellen: Eigene Recherche der KA-Insider-Redakteure)














