Festnahme in Karlsruhe: Mann bringt Bürger um Geld für Fahrticket

Zu sehen ist ein Schild mit der Aufschrift "KARLSRUHE HBF". Ein Bus befindet sich im Vordergrund. Die Fahrgäste warten am Bahnhof an der Haltestelle auf die Abfahrt. In Karlsruhe hat ein Mann Bürgern das Geld für ihre Fahrtickets gestohlen.
Symbolbild © istockphoto/Camilo Concha

Eine spektakuläre Festnahme in Karlsruhe: Bundespolizisten haben einen Mann geschnappt, der Reisende um ihr Geld für Tickets gebracht haben soll. Und diese Masche findet überall Nachahmer.

Endlich kommt diese dreiste Betrugsmasche ans Licht. Diese Festnahme in Karlsruhe ist ein wichtiger Schritt im Kampf gegen Betrüger, die sich Geld für Fahrscheine erschleichen.

Beim „Stranded Traveller Scam“ dient leider unser Mitgefühl als Türöffner

Am vergangenen Donnerstag nahm die Bundespolizei einen 40-jährigen Iren fest. Der Grund: Er hat das Mitgefühl seiner Mitmenschen ausgenutzt. Das führte schließlich zu der verdienten Festnahme in Karlsruhe, denn immer wieder hatte er Fahrgäste um ihr Geld betrogen. Aber was war passiert? Er spielte den Bürgern eine existenzielle Notlage vor. Dabei bediente er sich des sogenannten „Stranded Traveller Scams“. Hier geben sich die Täter als „gestrandete“ Touristen aus: Mit einer erfundenen Geschichte – etwa vom gestohlenen Geldbeutel oder einer eingezogenen Kreditkarte. Das Schlimmste daran: Die Menschen mit dem meisten Mitgefühl drohen am ehesten darauf hereinzufallen.

Bei dieser Masche bitten die Betrüger ihr Gegenüber um Geld für ein angeblich dringend benötigtes Zugticket. Zur Bekräftigung zeigen sie auf ihrem Handy eine gefälschte Banking-App vor, mit der sie dem Opfer eine sofortige Rücküberweisung vortäuschen. Das versprochene Geld kommt jedoch nie an. Die Festnahme in Karlsruhe steht in einer Reihe ähnlicher Vorfälle in ganz Deutschland, bei denen Reisende um ihr Geld gebracht wurden. Erst in den letzten Wochen hatte die Polizei in mehreren Bundesländern, darunter Bayern und Nordrhein-Westfalen, erneut vor dieser Betrugsmethode gewarnt. In Nürnberg etwa verlor im März ein Geschädigter um 1.500 Euro, nachdem ihn ein Mann mit irischem Akzent ansprach und eine bewegende Geschichte erzählte.

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Nicht nur in Karlsruhe: Ein bundesweites Problem

Die Täter arbeiten laut Polizei oft allein oder in kleinen Gruppen und geben sich dabei als Verwandte, etwa Vater und Sohn, aus. Sie nutzen die natürliche Hilfsbereitschaft aus und sprechen gezielt Menschen in Bahnhöfen oder touristischen Zonen an.

Die Polizei rät somit zu großer Vorsicht, wenn jemand auf der Straße um Geld für eine angebliche Reisenotlage bittet. Man sollte niemals Bargeld an Fremde aushändigen und sich auch nicht auf vermeintliche Sofortüberweisungen einlassen, selbst wenn die genutzte App vertraut aussieht. Im Zweifelsfall sollte man das Gespräch höflich abbrechen, andere Passanten einbeziehen oder direkt die Polizei verständigen.

Der in Karlsruhe festgenommene Mann sitzt inzwischen in Untersuchungshaft. Die Bundespolizei ermittelt wegen gewerbsmäßigen Betrugs und sucht nach weiteren Geschädigten. Zeugen oder Betroffene werden daher gebeten, sich unter der Telefonnummer 0721 – 120 160 zu melden.

(Quellen: Polizei Karlsruhe, dpa)