Gastro unter Druck: Karlsruhe verliert immer mehr Betriebe

Rot-weißes Absperrband wurde über die Bestuhlung einer Terrasse gespannt. Damit können sich die Gäste nicht mehr in das Restaurant oder Kaffees setzen. Die Gastro in Karlsruhe ist unter Druck, weil sich immer mehr Betriebe verabschieden.
Symbolbild © imago/ Michael Gstettenbauer

Gastro-Krise in Karlsruhe: Von Beschde Pizza bis Cassatta – 2025 haben zahlreiche beliebte Betriebe geschlossen. Die Gründe sind vielfältig, doch eines haben sie gemeinsam: Der Druck auf die Branche wird immer größer.

Die Gastro-Szene in Karlsruhe schrumpft dramatisch: Mehrere traditionelle Betriebe und Publikumslieblinge mussten 2025 aufgeben. Während landesweit die Zahlen sinken, trifft es die Fächerstadt besonders hart.

Das große Sterben: Wenn Kostendruck und Corona-Folgen zusammenkommen

Die Liste liest sich wie ein Abschiedsbrief an Karlsruhes kulinarische Vielfalt: Beschde Pizza, Cassatta, Zum kleinen Ketterer, Mille Stelle, Großer Kurfürst, Erasmus – Namen, die für Qualität, Atmosphäre und Genuss standen. Doch sie alle existieren nicht mehr, oder stehen kurz vor ihrem Aus. Die Gründe dafür klingen monoton ähnlich. Corona-Nachwirkungen, explodierende Kosten, die harte Winterzeit. Beschde Pizza versuchte sich noch mit Spendenaufrufen zu retten – leider vergeblich. Nach dreieinhalb Jahren war Schluss. Das Restaurant Großer Kurfürst, eine der bestbewerteten Gaststätten auf Tripadvisor, kapitulierte ebenfalls vor den Pandemie-Folgen. Somit fallen immer mehr Betriebe der Karlsruher Gastro-Krise zum Opfer.

Selbst Vorzeigeprojekte bleiben nicht verschont. Das Bio-Restaurant Erasmus galt als Leuchtturm nachhaltiger Gastronomie. Im Juli verkündeten die Inhaber aber kurzfristig das Aus. Das betraf nicht nur das Restaurant, sondern auch den Feinkostladen, die Osteria und die Weinbar. Beim Italiener Mille Stelle spielten neben Corona auch zunehmende Franchise-Unternehmen eine Rolle. Ende Januar 2026 ist Schluss. Eine Ausnahme bildet das Eiscafé Cassatta: Gelatiere Pino Cimino will 2026 in Sinzheim neu starten.

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Hoffnungsschimmer Steuersenkung: Sieben Prozent sollen retten

Karlsruher Betriebe befinden sich nicht allein in der Gastro-Krise. Die Zahl der Restaurants mit Bedienung in Baden-Württemberg sank zwischen 2013 und 2023 um 18,4 Prozent. Seit 2019 gaben mehr als 3.000 Betriebe im Land auf. Personal-, Energie- und Warenkosten verteuerten sich seit 2022 um rund 30 Prozent.

Ein Lichtblick: Seit Januar 2025 gilt für Speisen der ermäßigte Mehrwertsteuersatz von sieben Prozent. Hans-Ulrich Kauderer, Landeschef des Dehoga, sieht darin einen Meilenstein. Die Steuersenkung verschafft Betrieben dringend benötigten Spielraum – etwa für Investitionen oder zur Stabilisierung der Preise.

Ob das jedoch reicht, um die Betriebe der Karlsruher Gastro-Szene zu retten? Die nächsten Monate werden zeigen, ob die Steuersenkung mehr ist als ein Tropfen auf den heißen Herd. Oder ob die Liste der geschlossenen Restaurants 2026 noch länger wird.

(Quellen: Dehoga Baden-Württemberg, Industrie- und Handelskammer Karlsruhe, Gespräche mit Karlsruher Gastronomiebetrieben)