Hunderte Familien betroffen: Große Kita-Anbieter gehen insolvent

Eine Mutter trägt ihr Kind zur Kindertagesstätte. Dort wird es über den gesamten Tag betreut, damit die Eltern arbeiten gehen können. Der Junge ist auf dem Arm der Mutter. Sie trägt noch eine Tasche und hält seine Brottasche in der Hand. In Karlsruhe steigen die Gebühren für Kitas.
Symbolbild © imago/Michael Gstettenbauer

Es ist ein Schock für hunderte Familien. Denn gleich zwei Kita-Anbieter aus der Region gehen insolvent. Die Mitarbeiter erhielten bereits in letzter Zeit kein Gehalt mehr.

Niemand weiß, wie es hier weitergeht. Über 1.300 Betreuungsplätze sind betroffen, weil nun zwei Kita-Anbieter insolvent sind.

Kein Gehalt: 600 Mitarbeiter stehen ohne Bezahlung da

Es ist der Albtraum vieler Eltern: Plötzlich steht die Kinderbetreuung auf der Kippe. Genau diese Sorge plagt jetzt hunderte Familien in Karlsruhe und der Region. Die Kita-Träger Pro-Liberis und Lenitas haben Insolvenz angemeldet – und mit einem Schlag ist die Zukunft von rund 1.350 Betreuungsplätzen ungewiss. Doch die Nachricht trifft auch über 600 Beschäftigte. Denn im Januar blieb bereits ihr Gehalt aus. Erzieher, die sich täglich um das Wohl der Kinder kümmern, stehen aufgrund der insolventen Kita-Anbieter plötzlich ohne Bezahlung da. Eine Situation, die finanziell und emotional an die Substanz geht. Bis Ende März soll das Insolvenzgeld zwar noch die Gehälter sichern, doch was danach kommt, ist offen. Wie viele der unbezahlten Fachkräfte werden kündigen? Und wer betreut die Kinder?

Noch ist der Betrieb in allen Einrichtungen der beiden Kita-Anbieter aufrechterhalten. Die Betreuung läuft in vollem Umfang weiter, versichern die Insolvenzverwalter. Doch hinter dieser Fassade brodelt die Unsicherheit. Für Eltern, die auf die Betreuung angewiesen sind, um arbeiten gehen zu können, ist die Lage bedrohlich. In Karlsruhe gibt es 205 Kitas – 29 davon gehören zu Pro-Liberis und Lenitas. Allein in der Stadt sind 900 Betreuungsplätze betroffen, weitere im Landkreis und in Pforzheim. Viele Eltern wissen nicht, wohin mit ihren Kindern, sollte die Betreuung wegbrechen.

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Vom Erfolg zur Krise: Wie das schnelle Wachstum zur Belastung wurde

Die Gründe für das finanzielle Desaster sind vielschichtig. Energie- und Materialkosten sind in den letzten Jahren explodiert, obwohl die Einnahmen nahezu die gleichen bleiben. Hinzu kommt: Die Träger wuchsen schnell und übernahmen auf Wunsch mehrerer Gemeinden Kindergärten von öffentlichen Trägern. Was nach Erfolg klingt, wurde jedoch schnell zur Belastung.

Die Stadt Karlsruhe verspricht, die Fortführung des Kita-Betriebs bestmöglich zu unterstützen. Doch gleichzeitig stellt sie klar: Eine Zahlungsunfähigkeit eines privatwirtschaftlichen Trägers kann sie nicht verhindern. Ein bitteres Eingeständnis.

Die Insolvenzverwalter geben sich kämpferisch und versprechen eine Neuaufstellung bis April. Dann sollen die Gehälter wieder aus dem laufenden Betrieb fließen. Doch ob das gelingt, hängt von den Verhandlungen mit den öffentlichen Kostenträgern ab. Für die betroffenen Familien und Mitarbeiter bleibt nur banges Warten – und die Hoffnung, dass ihre Kitas nicht zum nächsten Opfer der Kostenkrise werden.

(Quellen: Mitteilung des Kita-Trägers, Stadt Karlsruhe, Insolvenzgericht Karlsruhe)