
In der Nähe von Karlsruhe herrscht großer Andrang bei der Vesperkirche, die trotz eines schweren Schicksalsschlags ihre Türen geöffnet hat. Über 100 Ehrenamtliche sorgen für Wärme und Gemeinschaft.
Der enorme Andrang auf die Vesperkirche bei Karlsruhe trifft den Nerv der Zeit. Denn das Projekt bietet nicht nur kostenlose Mahlzeiten, sondern auch ein Gegenmittel gegen Einsamkeit, die immer mehr Menschen betrifft.
Jeder Dritte fühlt sich einsam: Die Vesperkirche als Rettungsanker
Die Vesperkirche im Rheinstettener Gemeindezentrum Forchheim ist mehr als nur eine warme Speise. Sie ist ein Ort der Begegnung in einer Zeit, in der sich laut einer aktuellen Studie der Bertelsmann-Stiftung mehr als jeder dritte Mensch in Baden-Württemberg einsam fühlt. Die Türen des Kirchenprojekts, das bis zum 1. Februar täglich öffnet, stehen somit bewusst allen offen – ganz unabhängig vom Geldbeutel. Finanziert wird die Aktion ausschließlich durch Spenden. Die Notwendigkeit solcher niedrigschwelliger Treffpunkte scheint groß. Die Studie zeigt, dass insbesondere Menschen mit geringem Einkommen oder Migrationshintergrund von Einsamkeit betroffen sind. Sozialminister Manfred Lucha (Grüne) betont dabei, dass Einsamkeit alle Altersgruppen treffe und ein kollektives Problem sei. Initiativen wie die Vesperkirche wirken hier direkt, indem sie soziale Teilhabe und Zusammenhalt in der Nachbarschaft ermöglichen.
Der Andrang auf die Vesperkirche bei Karlsruhe zeigt, wie groß das Verlangen nach Gemeinschaft ist. Doch die diesjährige Auflage steht leider unter einem traurigen Stern. Das Organisationsteam mit seinen über 100 Ehrenamtlichen musste den plötzlichen Tod des Küchenchefs Andreas Smith verkraften. Nach kurzem Zögern entschied sich das Team, das Projekt wie geplant über zwei Wochen fortzuführen. Die Lücke, die Smith hinterließ, schloss eine Welle der Solidarität. Lokale Restaurants aus Rheinstetten sprangen spontan ein und bereichern den Speiseplan. Die Freiwillige Feuerwehr und der Freundeskreis der KjG Forchheim übernehmen tageweise die Küche. Bäckereien stiften süße Stückchen, Ehrenamtliche backen Kuchen.
Ein Raum ohne Preisschild: Spenden statt Beitragszwang
Während auf politischer Ebene über eine landesweite Strategie gegen Einsamkeit und neue Förderwettbewerbe diskutiert wird, zeigt die Vesperkirche in Rheinstetten gelebte Praxis. Sie zeigt, wie durch das Engagement Vieler ein Raum entstehen kann, in dem Gastfreundschaft und Gespräche Vorrang haben. Pfarrerin Ann-Kathrin Peters sieht darin einen „Ort des Segens“.
In einer Zeit, in der viele Initiativen mehr Unterstützung fordern, bleibt das Rheinstettener Modell ein starkes Beispiel dafür, was gemeinschaftliches Handeln vor Ort bewirken kann.
(Quellen: Vesperkirche der evangelischen Kirchengemeinde)














