Hunderttausende veruntreut – Mitarbeiter bei Karlsruher Behörde

Der Eingang des Regierungspräsidiums Karlsruhe am Rondellplatz. Die Tür und das Gebäude sehen typisch nach einem Haus der Verwaltung und der Behörden aus. Ein Mitarbeiter dieser Behörde hat hunderttausende Euro veruntreut.
Symbolbild © imago/Arnulf Hettrich

Das Verhalten eines Mitarbeiters einer Karlsruher Behörde ist Ermittlungsgegenstand in einem schweren Betrugsfall. Seine jahrelange Methode war verblüffend einfach – und sie hätte sogar fast ganz unentdeckt bleiben können.

Über Jahre hinweg veruntreute ein Mitarbeiter einer Karlsruher Behörde Steuergelder. Das dreiste System flog erst auf, als Vorgesetzte eine bestimmte Baustelle besichtigen wollten. Doch diese hat es nie gegeben.

Aufgeflogen: Besuch auf der Geister-Baustelle

Vertrauen ist das Fundament eines jeden Arbeitsplatzes. Doch was passiert, wenn genau dieses Vertrauen systematisch missbraucht wird? Genau das tat ein Mitarbeiter des Regierungspräsidiums Karlsruhe mehrere Jahre lang. Der 57-jährige Wassermeister soll über Jahre hinweg gefälschte Rechnungen abgesegnet haben, um sich zu bereichern. Sein Betrugssystem flog auf, als Vorgesetzte eine angebliche Sofortmaßnahme an einem Hochwasserwehr überprüfen wollten. Niemand ahnte, dass hinter den Akten ein Millionenbetrug schlummerte. Vor Ort stellten aber sie fest, dass die vom Angestellten gemeldeten Bauarbeiten nie stattgefunden hatten.

Im Gegensatz zu einem beschuldigten Kollegen, der angab, nicht privat profitiert zu haben, soll der verurteilte Wassermeister direkte Gegenleistungen erhalten haben. Handwerksfirmen, die die gefälschten Rechnungen stellten, führten im Gegenzug Arbeiten in seinem Privathaus durch. So renovierte ein Elektromeister die Räume, ein Heizungsbauer modernisierte die Heizungsanlage – alles ohne Rechnung für den Hausherrn. Der tatsächliche Gesamtschaden, den der Karlsruher Mitarbeiter der Behörde verursachte, wird sogar auf rund eine Million Euro geschätzt. Ältere Taten waren jedoch bereits verjährt.

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Die Abrechnung: Renovierung auf Kosten der Steuerzahler

Der Betrug war möglich, weil im Regierungspräsidium Karlsruhe bis dahin nur zwei Unterschriften genügten, um Rechnungen zu bestätigen. Die Behörde hat inzwischen schärfere Kontrollen eingeführt.

Am Ende bleibt ein fader Beigeschmack des Misstrauens. Während der Verurteilte mit Bewährung davonkommt, bleibt die nagende Frage: Wie viel Vertrauen ist eine Behörde wert, wenn zwei Unterschriften genügen, um Hunderttausende zu veruntreuen? Ein System, das auf Ehrlichkeit aufbaut, zeigt plötzlich Risse – und den Preis zahlen am Ende wir alle.

(Quellen: Regierungspräsidium Karlsruhe, dpa)