
Für die Beschäftigten kommt die Nachricht überraschend. Siemens hat beschlossen, die deutsche Software-Tochter Evosoft vollständig aufzugeben. Bis Ende 2027 sollen alle deutschen Standorte geschlossen werden. Betroffen ist dabei nicht nur der Hauptsitz in Nürnberg, sondern auch weitere Niederlassungen – darunter Karlsruhe. Insgesamt stehen 377 Arbeitsplätze auf dem Spiel.
Evosoft gehört seit Jahrzehnten zum Siemens-Konzern und entwickelt Software-, IT- und Automatisierungslösungen für Industrieunternehmen. Das Unternehmen entstand 1995 und arbeitete in vielen Bereichen eng mit dem Mutterkonzern zusammen.
Schwere Entscheidung gegen die Siemens-Tochter – Karlsruhe ist auch betroffen
Hintergrund dieser Entscheidung ist eine konzerninterne Neuordnung bei der Vergabe von Software- und IT-Projekten. Künftig will Siemens entsprechende Aufträge verstärkt über eigene Strukturen und internationale Standorte abwickeln. Dadurch entfällt laut Unternehmensangaben die wirtschaftliche Grundlage für die deutsche Evosoft. Die Gesellschaft soll daher ihre Aktivitäten in Deutschland bis Ende 2027 einstellen.
Damit ist auch der Standort Karlsruhe von der Schließung betroffen, den das Unternehmen selbst als einen seiner deutschen Stützpunkte führt. Wie viele Arbeitsplätze dort konkret wegfallen werden, ist bislang nicht bekannt. Fest steht jedoch, dass die Schließung alle deutschen Niederlassungen umfasst.
Unternehmen gerät in die Kritik: Siemens macht Tochter dicht
Die Entscheidung sorgt auch deshalb für Diskussionen, weil Evosoft kein klassisches Krisenunternehmen war. Das Unternehmen war auf Digitalisierung, Automatisierung und industrielle Software spezialisiert – Bereiche, die eigentlich als Zukunftsmärkte gelten. Die Arbeitnehmervertreter kritisieren deshalb hauptsächlich die strategische Entscheidung des Mutterkonzerns. In den kommenden Monaten stehen Verhandlungen über Sozialpläne und Lösungen für die Beschäftigten an. Für die Mitarbeiter in Karlsruhe und an den anderen Standorten beginnt damit eine Phase großer Unsicherheit.
Die Schließung von Evosoft ist ein weiteres Beispiel für die derzeitigen Veränderungen in der deutschen IT- und Industriebranche. Während Unternehmen Milliarden in die Digitalisierung und künstliche Intelligenz investieren, werden gleichzeitig Strukturen umgebaut und Arbeitsplätze verlagert. Für die betroffenen Mitarbeiter in Karlsruhe ist das allerdings nur ein schwacher Trost. Für sie stellt sich nun vor allem die Frage, wie es beruflich weitergeht.
(Quellen: Siemens, Evosoft, Gesamtbetriebsrat Evosoft, dpa)













