
Wer am Mummelsee spazieren geht, erwartet Wanderer, Ausflügler und vielleicht ein paar Tretboote. Was derzeit jedoch auf dem Grund des berühmten Schwarzwaldsees liegt, dürfte die meisten überraschen. Dort lagern mehrere Tausend Flaschen Crémant – ganz bewusst versenkt und sorgfältig gesichert.
Hinter der ungewöhnlichen Aktion steckt der Winzerkeller Hex vom Dasenstein aus Kappelrodeck. Statt die Flaschen ausschließlich in klassischen Weinkellern reifen zu lassen, setzen die Verantwortlichen auf ein Experiment, das man sonst eher aus Küstenregionen oder von exklusiven Champagnerprojekten kennt. Rund 3.000 Flaschen wurden in den Mummelsee gebracht und sollen dort ein ganzes Jahr verbringen.
Winzer mit außergewöhnlicher Idee: Tausende Flaschen im See versenkt
Die Idee dahinter klingt zunächst ungewöhnlich, folgt aber einer klaren Überlegung. Während Winzer normalerweise auf die Bedingungen in ihren Kellern achten, bietet der See eine Umgebung, die sich kaum künstlich nachbilden lässt. In der Tiefe herrschen ganzjährig niedrige Temperaturen. Licht dringt kaum vor, Temperaturschwankungen bleiben gering und äußere Einflüsse fallen deutlich schwächer aus als an Land. Genau diese Bedingungen wollen die Verantwortlichen nutzen. Nach einem Jahr sollen die Flaschen wieder geborgen werden. Anschließend vergleichen Experten den unter Wasser gereiften Crémant mit einer identischen Charge, die im Weinkeller gelagert wurde. Die spannende Frage lautet: Verändert die Lagerung im See tatsächlich Geschmack, Aroma oder Reifung?
Für die Region ist das Projekt auch ein ungewöhnlicher Werbeträger. Der Mummelsee zählt zu den bekanntesten Ausflugszielen im Schwarzwald und liegt nur rund eine Autostunde von Karlsruhe entfernt. Jedes Jahr besuchen tausende Menschen den sagenumwobenen Bergsee. Nun kommt eine weitere Geschichte hinzu, die Besucher neugierig macht.
Besondere Reifung macht Flaschen zu exklusivem Tropfen – Aktion bei Karlsruhe
Tatsächlich wächst das Interesse an außergewöhnlichen Reifungsmethoden seit Jahren. Weltweit experimentieren Produzenten mit Höhlen, Bergwerken, alten Tunneln oder sogar dem Meeresboden. Ziel ist fast immer dasselbe: herauszufinden, wie besondere Umgebungen die Entwicklung eines Produkts beeinflussen.
Ob der Mummelsee am Ende wahrlich einen besseren Crémant hervorbringt, wird sich erst nach der Bergung zeigen. Schon jetzt hat das Projekt jedoch erreicht, was viele Marketingkampagnen nur schwer schaffen. Es sorgt für Aufmerksamkeit weit über die Region hinaus. Bis die Flaschen wieder auftauchen, bleibt der See ihr ungewöhnlicher Lagerort. Während Wanderer die Aussicht genießen und Touristen am Ufer entlangschlendern, reift tief unter der Wasseroberfläche ein Experiment heran, das es in dieser Form im Schwarzwald bisher kaum gegeben hat.
(Quellen: Winzerkeller Hex vom Dasenstein, Mummelsee, Schwarzwald Tourismus)














