
Ein paar Tage der Ungewissheit liegen vor einem Großbereich in Karlsruhe, der am Freitag evakuiert werden soll. Wieder einmal müssen Menschen einer unsichtbaren Gefahr weichen, die aus der Tiefe droht.
Es ist nur ein Punkt auf der Karte. Ein Verdacht. Doch er reicht aus, damit man einen gesamten Großbereich in Karlsruhe lahmlegt und evakuiert.
Ein leises Summen aus der Tiefe: Der Betrieb läuft weiter, doch die Menschen müssen gehen
Es ist wieder so weit. Die Vergangenheit holt Karlsruhe mit dumpfem Schlag aus der Tiefe ein. Am kommenden Freitag, dem 12. Dezember, wird ein Großbereich im Norden der Stadt zum Sperrgebiet. Auslöser ist ein schlummernder Schatten aus dem Zweiten Weltkrieg, der jetzt bei Bauarbeiten im Klärwerk Neureut sein bedrohliches Dasein verriet. Ab 12 Uhr müssen somit alle Mitarbeiter das Gelände verlassen. Doch diesmal sind keine Wohnviertel betroffen, sondern ein hochsensibles Stück städtischer Infrastruktur – und der Betrieb der lebenswichtigen Kläranlage soll nicht stoppen. Der Countdown läuft.
Der Fund erfolgte dabei beinahe beiläufig. Ein Fachunternehmen suchte mit Tiefensondierungen das Erdreich ab, und die Nadel schlug aus. Ein unklarer Fleck auf der Karte, hinter dem sich eine 250-Kilo-Bombe oder eine einfache Metalltruhe verbergen kann. Deshalb rücken jetzt die Entschärfer des Kampfmittelbeseitigungsdienstes (KMBD) Baden-Württemberg an, um die Wahrheit ans Licht zu holen – weshalb man am Freitag den betroffenen Großbereich Karlsruhes evakuiert. Gemeinsam mit den Experten zog die Stadt einen unsichtbaren, tödlichen Kreis: einen Sicherheitsradius von 450 Metern. Innerhalb dieses Gebiets, das die gesamte Klärwerksliegenschaft und die Kompostieranlage Knielingen umfasst, gilt ab Freitagmittag absolutes Betretungsverbot. Für die Mitarbeiter bedeutet das: Die Kompostieranlage schließt bereits um 11 Uhr, für das Personal im Klärwerk gilt ab 12 Uhr Räumungspflicht.
Eine unsichtbare Linie wird gezogen: 450 Meter, in denen nur die Gefahr regiert
Während die Menschen gehen, müssen die Maschinen laufen. Im Hintergrund laufen seit Tagen Notfallplanungen auf Hochtouren, um den Betrieb der Kläranlage – das Herzstück der städtischen Entsorgung – auch während der Entschärfarbeiten am Laufen zu halten. Eine logistische Meisterleistung unter der Drohung einer Explosion.
Die B36, die das Gebiet tangiert, bleibt frei. Keine Sirenen werden in Wohnschlafzimmern heulen. Diese Evakuierung ist eine stille, eine industrielle.
Solche Meldungen sind in der Region leider Routine. Erst Ende Oktober herrschte in Rastatt höchste Alarmstufe. Dort hat man auf der Baustelle für das neue Kombibad eine 500 Kilogramm schwere amerikanische Fliegerbombe entdeckt. Rund 3.000 Menschen mussten ihre Wohnungen verlassen. Doch kurz darauf kam die ersehnte Entwarnung: Ein routiniertes Procedere, das sich nun am Freitag im Karlsruher Klärwerk wiederholen soll.
(Quellen: eigene Recherche der KA-Insider-Redakteure, Stadt Karlsruhe, dpa)














