Nach 96 Jahren: Laden am Karlsruher Europaplatz schließt für immer

Sparkasse und Postgalerie auf dem Europaplatz
Foto: Thomas Riedel

Karlsruhe Insider: Kiosk macht endgültig dicht. 

In Karlsruhe haben sich die Stadträte für den Kiosk am Europaplatz stark gemacht, doch die Chefin schmeißt das Handtuch und zieht einen endgültigen Schlussstrich. Auf dem heruntergelassenen Rollladen des Containers am nordöstlichen Rand des Europaplatzes klebt ein Papierschild: „Kiosk bleibt bis auf Weiteres geschlossen“, stand dort zunächst zu lesen.

Zwischenzeitlich sind die Wörter „bis auf Weiteres“ durchgestrichen und durch „komplett“ ersetzt. Die traditionsreiche Adresse für Zeitungen, Tabakwaren, Lottoscheine und einen kleinen Plausch auf dem Weg zur Arbeit ist Geschichte.

Die Bautätigkeiten anlässlich der Kombilösung, der dadurch notwendige Umzug von der Südseite des Europaplatzes neben den Saturn-Eingang, die Corona-Krise, und zuletzt die umfassenden Sanierungsarbeiten am einstigen Schneider-Gebäude sowie dem Moninger-Haus jenseits der Karlstraße – all das war am Ende dann doch zu viel. Der Umsatz sei eingebrochen, berichtet Andrea Geißer, 50 bis 60 Prozent fehlten. Da lagen schon lange die Nerven blank, lässt die Chefin der Europaplatz-Institution durchblicken.

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Am Ende genügten auch die aufmunternden Wünsche ihrer langjährigen Kundschaft nicht mehr. Zumal es das Schicksal auch jenseits des rein Geschäftlichen zuletzt nicht gut mit der Betreiber-Familie meinte: Fünf Mal wurde in den zurückliegenden vier Jahren im Kiosk eingebrochen, gesundheitliche Probleme stellten sich ein, Stress und Existenzsorgen wurden zum ständigen Begleiter, sagt Andrea Geißer.

Jetzt hat sie die Notbremse gezogen. Der Container ist gekündigt und bereits teilweise ausgeräumt. Demnächst wird er von seiner Nische zwischen Bauzäunen und der Karlstraße verschwinden. Und mit ihm eine lange Kiosk-Tradition.