
Erst ausgeladen, dann wieder eingeladen – und am Ende kam die Band trotzdem nicht. Der Streit um Alphaville beim Glücksgefühle-Festival hat eine bundesweite Debatte über politische Aussagen von Künstlern ausgelöst. Jetzt bezieht auch DAS FEST in Karlsruhe deutlich Stellung.
Die weitreichenden Wellen der jüngsten Ereignisse rund um die Kunstfreiheit beschäftigen die Kulturszene in Deutschland weiterhin intensiv. In Karlsruhe blickt man mit einer ganz eigenen Philosophie auf die brennende Frage, wie viel politische Haltung auf großen Musikbühnen erlaubt sein muss.
Künstler dürfen reden über ihre eigene Meinung – Karlsruhe zieht klare Grenze
Nach heftiger Kritik folgte die Kehrtwende: Die Verantwortlichen entschuldigten sich und luden Alphaville wieder ein. Die Band nahm die Entschuldigung zur Kenntnis, entschied sich aber gegen einen Auftritt. Damit war die Diskussion längst größer geworden als der ursprünglich geplante Festivalauftritt. Auch in Karlsruhe beschäftigt die Debatte die Veranstalter. DAS FEST will die konkrete Entscheidung der Kollegen vom Glücksgefühle-Festival zwar nicht bewerten, weil man die dort getroffenen Absprachen zwischen Künstlern und Veranstaltern nicht kenne. Bei der grundsätzlichen Frage fällt die Position jedoch deutlich aus.
Ein Festival werde nach Auffassung der Karlsruher Veranstalter nicht automatisch unpolitisch, nur weil politische Aussagen von Künstlern ausgeschlossen werden. Künstler hätten eigene Überzeugungen und Perspektiven. Zur Kunstfreiheit gehöre auch, diese zum Ausdruck bringen zu können. Veranstalter müssten die jeweiligen Aussagen dabei nicht selbst teilen, um einem Künstler trotzdem eine Bühne zu geben.
Offenheit und Toleranz – Künstler bei DAS FEST dürfen und sollen reden
Diese Haltung ist bei DAS FEST nicht neu. Offenheit, Toleranz, Vielfalt und ein respektvolles Miteinander gehören nach Angaben der Veranstalter seit Jahrzehnten zum Selbstverständnis des Karlsruher Festivals. DAS FEST ist zudem Gründungsmitglied der europäischen Initiative „Take A Stand“, die sich für Toleranz, Menschlichkeit, kulturellen Austausch und gesellschaftlichen Dialog einsetzt. Musik und Popkultur ließen sich aus Sicht der Karlsruher Verantwortlichen ohnehin kaum vollständig von gesellschaftlichen oder politischen Debatten trennen. Gerade Künstler hätten solche Diskussionen immer wieder aufgegriffen und selbst angestoßen.
Grenzen gibt es trotzdem. Strafbare Inhalte, Diskriminierung oder menschenfeindliche Äußerungen bewertet DAS FEST anders. Eine politische Haltung allein soll jedoch kein Ausschlusskriterium sein. Konsequenzen für die Auswahl der Künstler im kommenden Jahr hat der aktuelle Festival-Streit deshalb nicht. DAS FEST findet 2027 vom 22. bis 25. Juli in der Günther-Klotz-Anlage statt. Bei der Auswahl der Acts wollen die Veranstalter weiterhin prüfen, ob Künstler zum Festival passen und ein Auftritt verantwortungsvoll umgesetzt werden kann.
(Quellen: Das Fest, Alphaville)














