Nach Schmierattacke in Karlsruhe: Klima-Aktivist steht vor Gericht

Die Letzte Generation wieder in Aktion! Aktivisten bekleben mehrere Bankfilialen in Karlsruhe mit Plakaten und Tapetenkleister. Dabei tragen sie leuchtende Warnwesten und wetterfeste Kleidung.
Symbolbild © imago/EHL Media

Mehr als zwei Jahre nach einem Farbanschlag auf das KIT muss sich ein Klima-Aktivist vor dem Amtsgericht Karlsruhe verantworten. Das Urteil könnte eine Signalwirkung entfalten.

Orange Farbe am Audimax, ein geständiger Täter und die Frage nach legitimem Protest – nächste Woche beginnt in Karlsruhe der Prozess gegen einen Klima-Aktivisten. Was ihm droht.

Bewusste Eskalation: orange Farbe, mehrere tausend Euro Schaden 

Es war Oktober 2023, als Malte Nierobisch vom Widerstandskollektiv Karlsruhe (damals noch Letzte Generation) zur Sprühdose griff. Sein Ziel: die Glasfassade des KIT-Audimax. Seine Forderung: der Ausstieg aus fossilen Brennstoffen. Doch alles, was blieb, war ein orangefarbener Fleck – und eine Anzeige. Kommenden Dienstag, mehr als zwei Jahre später, sitzt der Aktivist auf der Anklagebank. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm Sachbeschädigung und einen Verstoß gegen das Versammlungsgesetz vor. Zudem kostete die Reinigung mehrere tausend Euro. Nierobisch hat die Tat bereits gestanden.

Vor Gericht wird sich zeigen, ob das Karlsruher Urteil milder oder härter ausfällt als vergleichbare Fälle. In Halle an der Saale etwa wurden zwei Aktivisten nach einem Farbanschlag auf die Uni-Audimax-Fassade 2024 zu Geldstrafen verurteilt – zu 2.400 und 2.000 Euro. Der Schaden dort: 16.000 Euro. Das Gericht betonte damals, Sachbeschädigung sei kein friedlicher Protest, auch wenn man das Klimaanliegen teile. In Karlsruhe könnte das Strafmaß nun anders ausfallen, denn die Staatsanwaltschaft hat eine Freiheitsstrafe auf Bewährung beantragt. Die Verteidigung wiederum argumentiert mit zivilem Ungehorsam und beruft sich auf den Klimanotstand.

Lesen Sie auch
Großbrand am Karlsruher Rheinhafen sorgt für Millionenschaden

Klimanotstand als Argument – wie sich der Aktivist verteidigt

Lars Nierobisch ist inzwischen Teil des Widerstandskollektivs Karlsruhe, einer Abspaltung der Letzten Generation. Deren Maxime: mehr ziviler Ungehorsam, weniger politische Forderungen. Was wie ein Nebensatz klingt, könnte für das Gericht eine Rolle spielen. Denn es zeigt: Die Gruppe hat ihre Strategie bewusst verschärft – und nimmt Sachbeschädigung billigend in Kauf.

Ob das Urteil am Ende eine abschreckende Wirkung entfaltet oder als weiteres Kapitel in der Geschichte des Klimaprotests verbucht wird, entscheidet sich ab Dienstag. Um 14 Uhr beginnt die Hauptverhandlung vor dem Amtsgericht Karlsruhe. Mehrere Verhandlungstage sind angesetzt.

(Quellen: Amtsgericht Karlsruhe, Polizeipräsidium Karlsruhe, Angaben des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT))