Nächste Gemeinde bei Karlsruhe will Verpackungssteuer einführen

Auf dem Gehweg vor einem Einfamilienhaus in der Einfahrt steht eine gelbe Tonne, die voll mit Säcken von Verpackungen ist. Der Deckel lässt sich überhaupt nicht mehr schließen. Sie ist übervoll. Ab nächstem Jahr gibt es neue Gebühren für Müll.
Symbolbild © imago/Sven Simon

Eine Gemeinde bei Karlsruhe will Einwegverpackungen wie Pizzakartons, Burgerboxen und Kaffeebecher mit einer Steuer belegen – zum Ärger der Gastronomen, aber mit reichlich Rückenwind von Umweltschützern.

Ein Ort in der Nähe von Karlsruhe sorgt mit einem geplanten Aufschlag auf Einwegverpackungen für Aufsehen. Coffee-to-go oder Pizza könnten dadurch teurer werden.

Gemeinde bei Karlsruhe: Entscheidung zur Verpackungssteuer gefallen

Am Montagabend fiel eine Entscheidung, die für ordentlich Gesprächsstoff sorgt: Eine Gemeinde bei Karlsruhe wollte eine Verpackungssteuer einführen – und zwar auf Einwegverpackungen von Speisen und Getränken, die direkt verzehrt werden. Pappbecher, Eislöffel, Pizzakartons – all das sollte bald mehr kosten. Doch die geplante Verpackungssteuer zur Eindämmung der Vermüllung wurde nun vom Kommunalparlament abgelehnt.

Die Rede ist von Rastatt, wo der Gemeinderat über die umstrittene Steuer beraten hat. Oberbürgermeisterin Monika Müller (SPD) zeigte sich im Vorfeld überzeugt: Die Steuer könne helfen, Verpackungsmüll in der Stadt sichtbar zu reduzieren. Inspiriert hat sie dabei die Stadt Tübingen, die bereits seit über dreieinhalb Jahren Erfahrungen mit dem Modell sammelt: Dort kostet ein Einweg-Kaffeebecher fünfzig Cent, Einwegbesteck zwanzig Cent extra. Eine Untersuchung der Universität Tübingen ergab zwar, dass das Müllgewicht nicht sank – dafür aber stieg die Zahl der Betriebe, die auf Mehrweg setzen. Auch in Rastatt sollten Mehrwegalternativen gefördert werden.

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Kritik von Gastronomen – Zustimmung von Umweltschützern

Doch nicht alle sind begeistert. Besonders CDU-Stadtrat Frank Hildenbrand machte gegen die Pläne mobil. Der 58-Jährige ist nicht nur Gastronom in Rastatt, sondern auch Vorsitzender des Hotel- und Gaststättenverbands (DEHOGA) für die Region. Seine Kritik: zu viel Bürokratie, zusätzliche Belastungen für kleine Betriebe – und am Ende höhere Preise für die Kundschaft. Seiner Meinung nach ist der richtige Weg ein reines Mehrweg-Förderprogramm.

Rückenwind für die Verpackungssteuer kommt hingegen von der Deutschen Umwelthilfe (DUH). Die Organisation hatte bereits im Februar in einem Schreiben an die Oberbürgermeisterin die Einführung einer solchen Steuer gefordert. Ihre Umfragen zeigen: Bereits über 120 Städte in Deutschland interessieren sich für das Konzept. Seit 2025 zieht auch Konstanz nach und erhebt eine Verpackungssteuer auf Einweg-Geschirr – ganz ähnlich wie das Vorbild Tübingen. Auch Köln hat sich für das Modell entschieden: Dort stimmte der Stadtrat im Februar mehrheitlich für dessen Einführung, angestoßen durch einen gemeinsamen Antrag von CDU und Grünen.