
Als die ersten Passanten aufschauten, trauten sie ihren Augen kaum: Da schwebten Klima-Aktivisten mitten über dem Marktplatz – an dem Seil, das eigentlich dem Weihnachtsmann vorbehalten ist.
Was da plötzlich über den Köpfen der Menschen schwebte, ließ so manchen stutzen. Klima-Aktivisten hatten den Marktplatz für eine spektakuläre Aktion erobert und flogen durch die Luft.
Als der Weihnachtszauber platzte: Zwei Aktivisten erklären der Stadt den Kampf
Am Mittwochmorgen kam es zu merkwürdigen Szenen. Zwei Klima-Aktivisten hatten es sich in schwindelnder Höhe auf dem Seil des fliegenden Weihnachtsmanns bequem gemacht – inklusive Hängematte und Fahrrad. Dazu waren sie früh aufgestanden. Bereits um 6:30 Uhr waren die beiden Männer vom „Widerstands-Kollektiv“ auf das Hochseil geklettert. Mit im Gepäck: ein spektakulärer Protest gegen die geplanten Kürzungen im Kulturbereich und beim öffentlichen Nahverkehr. Ein großes Banner mit der Aufschrift „Kultur und ÖPNV am seidenen Faden“ baumelte über den Köpfen der verdutzten Passanten.
Die Reaktionen ließen nicht lange auf sich warten. Unter dem schwebenden Duo sammelten sich neugierige Blicke. Dann sperrte die Polizei vorsorglich einen Teil des Marktplatzes ab, während sich die Klima-Aktivisten in ihrer Hängematte gemütlich machten. Einer der Aktivisten gab von seinem luftigen Aussichtspunkt aus zu verstehen, dass man sich nun zunächst einmal ausruhen wolle. Schließlich sei der Aufstieg doch recht anstrengend gewesen. Aber nicht jeder zeigte Verständnis für diese außergewöhnlich kreative Protestform. Denn der echte fliegende Weihnachtsmann, Hochseilartist Falko Traber, kündigte wütend Strafanzeige an. Auch Kultur-Bürgermeister Albert Käuflein zeigte sich wenig begeistert von der Aktion in schwindelnder Höhe.
Windböen stärker als die Polizei: Schließlich dankten die Aktivisten freiwillig ab
Nach etwa drei Stunden in der Luft war der spektakuläre Protest dann doch schneller beendet als geplant. Nicht die Polizei, sondern der zunehmende Wind vertrieb die Klima-Aktivisten von ihrem luftigen Posten über dem Marktplatz. Gegen 10:30 Uhr kletterten sie freiwillig vom Seil – wohlwissend, dass sie ihr Ziel erreicht hatten: die Diskussion über die Sparpläne der Stadt wieder in den Fokus gerückt zu haben. Ob die schwebende Aktion tatsächlich etwas bewegen wird, bleibt abzuwarten.
Derweil bleibt die Frage: Welche Bühne werden sich die kreativen Klima-Aktivisten als Nächstes aussuchen? Der Karlsruher Marktplatz wird ihnen so schnell wohl nicht wieder zur Verfügung stehen. Sicher ist: Die lauter werdenden Proteste zeigen, wie sehr die geplanten Sparmaßnahmen die Menschen in der Stadt aufwühlen. Die schwebenden Aktivisten haben dieser Wut jedoch ein unübersehbares Gesicht gegeben.
(Quellen: Widerstands-Kollektiv Karlsruhe, Polizei Karlsruhe)














