
Husten, Fieber, Atemnot: Eine Viruswelle im Karlsruher Raum trifft aktuell vor allem die Jüngsten. Kliniken melden viele schwere Verläufe – und Experten warnen vor einer Unterschätzung der Gefahr.
Vorsicht vor dieser Viruswelle im Karlsruher Raum: Die Fallzahlen steigen rasant, besonders bei Kleinkindern. Was Eltern jetzt über das Respiratorische Synzytial-Virus wissen müssen – und wann es richtig gefährlich wird.
Wenn der Schnupfen zur Gefahr wird: Die unsichtbare Bedrohung für die Kleinsten
Es beginnt wie eine normale Erkältung: Schnupfen, Husten, vielleicht Fieber. Doch dann kann es schnell gehen, vor allem bei den Kleinsten. Im Raum Karlsruhe breitet sich das Respiratorische Synzytial-Virus (RSV) aus, und diesmal sind besonders viele kleine Kinder betroffen. Die Zahlen des Landesgesundheitsamtes zeigen einen steilen Anstieg: Seit Anfang Januar wurden in der Region knapp 400 RSV-Fälle gemeldet, davon 80 allein in der letzten Februarwoche. Besonders der Landkreis Karlsruhe sticht mit 97 Fällen hervor. Bundesweit ist etwa jedes zweite schwer erkrankte Kleinkind unter vier Jahren mit RSV infiziert.
Die Kliniken spüren die Welle deutlich. In den Kinderkliniken der Ostalb behandeln Ärzte aktuell viele und teils schwere Fälle. Der Großteil der Belegungen gehe auf RSV zurück, so ein Kliniksprecher. Besonders betroffen: Kinder über zehn Monate. Die Welle begann Mitte Januar und wird wohl noch einige Wochen anhalten. Bei älteren Kindern und Erwachsenen verläuft RSV oft harmlos. Gefährlich wird es allerdings für Säuglinge: Das Virus kann tief in die Atemwege wandern und eine Lungenentzündung auslösen. Eltern sollten deshalb bei folgenden Warnzeichen hellhörig werden: beschleunigter Atem mit pfeifenden Geräuschen, bläuliche Haut oder Lippen sowie Erbrechen. Dann ist sofort der Arzt gefragt. Zwei bis drei Prozent der infizierten Säuglinge müssen ins Krankenhaus.
Schutz, der ankommt – doch Baden-Württemberg liegt auf dem letzten Platz
Die gute Nachricht vorweg: Impfen wirkt. In Tübinger und Stuttgarter Kinderkliniken berichten Ärzte von einer „dramatischen Entlastung“. Rund 90 Prozent der im Stuttgarter Olgahospital geborenen Kinder sind geimpft – die schweren Verläufe gingen somit um zwei Drittel zurück. Dennoch belegt Baden-Württemberg beim Impfen der Kleinsten bundesweit den letzten Platz. Nur 47 Prozent der zwischen April und September 2024 geborenen Kinder sind immunisiert. Besonders niedrig sind die Quoten in Pforzheim und im Ortenaukreis mit gerade einmal 32 Prozent.
Erkrankte Kinder sollten zu Hause bleiben und viel trinken. Auch Hygiene hilft: Husten in die Armbeuge und Händewaschen. Gefährdete Personen – Säuglinge unter sechs Monaten, Ältere oder Vorerkrankte – sollten Kontakt zu Infizierten konsequent meiden. Für Menschen ab 75 Jahren empfiehlt die Stiko ebenfalls eine Impfung. Denn unterschätzen sollte man das Virus in keiner Altersgruppe.
(Quellen: Gesundheitsamt Karlsruhe, Kinderärztliche Praxen Region Karlsruhe, dpa)














