
Neue Windkraft-Pläne rund um Karlsruhe sorgen nun für eine Grundsatzdebatte: In Ettlingen und Rheinstetten wird heftig über Rotor-in oder Rotor-out und den künftigen Ausbau diskutiert.
Zwischen neuen Windkraftplänen und großen Abstandsfragen kocht rund um Karlsruhe eine Grundsatzdebatte hoch – in Ettlingen und Rheinstetten wird heftig gerungen.
Streit um Rotor-in und Rotor-out: Wo endet die Windkraftfläche?
Es klingt technisch, hat aber politische Sprengkraft: „Rotor-in“ oder „Rotor-out“ entscheidet darüber, wie groß neue Windkraftanlagen tatsächlich werden dürfen. Konkret geht es um die Frage, ob die Rotorblätter eines Windrads innerhalb der ausgewiesenen Vorrangflächen bleiben müssen (Rotor-in) oder diese auch überragen dürfen (Rotor-out).
Für die Kommunen rund um Karlsruhe ist das längst kein Detail mehr, sondern eine Grundsatzfrage der Energiewende. Denn je nach Auslegung könnten deutlich mehr oder deutlich weniger Standorte für neue Windräder infrage kommen. Während Befürworter des Rotor-out-Prinzips mehr Flexibilität und bessere Flächennutzung versprechen, warnen Kritiker vor Konflikten mit Natur- und Anwohnerschutz.
Windkraft-Boom trifft auf lokale Widerstände
Dabei steht die Region nicht allein: Der Ausbau der Windkraft an Land ist in Deutschland zuletzt kräftig gestiegen. 2025 war laut Branchenverbänden das zweitstärkste Jahr überhaupt. 958 neue Windräder gingen mit einer Leistung von 5,2 Gigawatt ans Netz – ein Plus von mehr als fünfzig Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Besonders viele Anlagen entstanden in Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und Schleswig-Holstein. Deutlich abgeschlagen liegen dagegen südliche Regionen wie Bayern oder das Saarland. Trotz des starken Ausbaus sank die gesamte Stromproduktion leicht auf rund 106,5 Milliarden Kilowattstunden – ein Effekt des ungewöhnlich windarmen Frühjahrs.
Genau diese Entwicklung befeuert nun die Debatte in Baden-Württemberg: Während die Politik mehr Tempo bei der Energiewende fordert, wächst auf kommunaler Ebene der Wunsch nach klaren Regeln und mehr Planungssicherheit. Ob Rotor-in oder Rotor-out – die Entscheidung wirkt technisch, hat aber handfeste Folgen für Landschaft, Stromerzeugung und Akzeptanz vor Ort. Und sie zeigt, wie umkämpft die Energiewende inzwischen auch auf lokaler Ebene geworden ist.
(Quellen: Stadt Ettlingen, Gemeinderat Rheinstetten, Regionalverband, dpa)














