
Der Rhein zeigt bei Karlsruhe derzeit eindrucksvoll, wie stark sich die anhaltende Trockenheit auf eine der wichtigsten Wasserstraßen Europas auswirkt. Am Pegel Maxau wurde Ende Juli ein Wasserstand von 3,26 Metern gemessen.
Damit liegt der Rhein nicht nur unter dem langjährigen mittleren Niedrigwasser von 3,53 Metern, sondern auch deutlich unter dem sogenannten Gleichwertigen Niedrigwasser (GlW) von 3,72 Metern – einem Richtwert, der für die Binnenschifffahrt von großer Bedeutung ist.
Rekord-Niedrigwasser bremst Schifffahrt bei Karlsruhe aus – Rekordstand erreicht
Für viele Menschen wirkt ein Pegel von mehr als drei Metern zunächst nicht außergewöhnlich niedrig. Tatsächlich beschreibt der Pegel jedoch keine Wassertiefe, sondern den Wasserstand an einer fest definierten Messstelle. Ob ein Schiff problemlos fahren kann, hängt deshalb nicht von der Pegelzahl allein ab, sondern von der Fahrrinnentiefe und dem zulässigen Tiefgang. Sinkt der Pegel wie derzeit weiter, müssen Reedereien ihre Schiffe leichter beladen. Jeder Zentimeter weniger Wasser kann dazu führen, dass mehrere Tonnen Fracht im Hafen bleiben müssen. Das erhöht die Transportkosten und macht zusätzliche Fahrten notwendig.
Der Rhein ist für die Region Karlsruhe weit mehr als ein Fluss. Über ihn werden unter anderem Mineralölprodukte, Chemikalien, Baustoffe, Getreide und Container transportiert. Können Schiffe ihre Kapazitäten nicht ausschöpfen, verteuern sich Transporte entlang der gesamten Lieferkette. Besonders Unternehmen, die auf regelmäßige Lieferungen per Schiff angewiesen sind, beobachten die Pegelstände deshalb täglich.
Lage entspannt sich nicht so schnell: Niedrigwasser im Rhein führt zu Sperrungen
Nach Einschätzung der Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung dürfte sich die Lage zunächst kaum entspannen. Ohne flächendeckende und ergiebige Niederschläge im gesamten Einzugsgebiet des Rheins bleiben die Wasserstände auf niedrigem Niveau. Experten weisen zudem darauf hin, dass extreme Niedrigwasserphasen inzwischen früher im Jahr auftreten als noch vor einigen Jahren. Während kritische Pegel früher häufig erst im Spätsommer erreicht wurden, zeigen sich die Auswirkungen inzwischen bereits Ende Juli.
Für Spaziergänger und Ausflügler sind die Folgen ebenfalls sichtbar. An vielen Stellen treten Kies- und Sandbänke hervor, die sonst unter Wasser liegen. Was auf den ersten Blick spektakulär aussieht, ist jedoch ein deutliches Zeichen dafür, wie stark Trockenheit und ausbleibender Regen inzwischen selbst große Flüsse verändern. Sollte sich die Wetterlage nicht grundlegend ändern, dürfte der Rhein auch in den kommenden Tagen außergewöhnlich wenig Wasser führen – mit Folgen, die weit über Karlsruhe hinausreichen.
(Quellen: Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung (WSV), Pegelonline, Deutscher Wetterdienst (DWD))














