Stadt reagiert: Kostenlos Bahnfahren bald in Karlsruhe fürs Klima?

S-Bahn am Europaplatz
Symbolbild Foto: Thomas Riedel

Die Innenstadt ist leergefegt, das soll sich bald ändern: Erste Großstadt testet kostenloses Bus und Bahnfahren für die Menschen – Folgt bald Karlsruhe?

Es wirkt ein wenig wie der Zeh, den man vorsichtig ins Wannenwasser hält, um die Temperatur zu testen.

Am Wochenende will Stuttgart Fahrten in Bussen und Straßenbahnen im Stadtzentrum kostenlos anbieten. «Mir fällt kein besserer Weg ein, um den Handel anzukurbeln», sagte City-Manager Sven Hahn am Montag. Auch Gastronomie und Kultur sollen von dem Testlauf profitieren.

450 000 Euro lässt sich die Stadt das Wochenende kosten. So hoch sind laut VVS-Geschäftsführer Horst Stammler die Mindereinnahmen. Wer nicht in der Landeshauptstadt wohne, solle in die Innenstadt gelockt werden. Ein Ticket für zwei Zonen gibt es am 18. und 19. September für den Preis für eine Zone.

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Falls das Gratis-Wochenende ein Erfolg werde, könnten laut City-Manager Hahn bis zu vier weitere solcher Wochenenden drin sein. Oberbürgermeister Frank Nopper (CDU) habe sich offen dafür gezeigt. Den Nahverkehr generell kostenlos anzubieten, schloss Hahn aber aus: «Es ist eher ein Anreiz zur Belebung der Innenstadt.»

Nicht nur in Stuttgart gibt es Versuche, Bus- und Bahnfahrten zeitweise gratis anzubieten, um die Städte vom Autoverkehr zu entlasten oder den Handel zu unterstützen.

Platzhirsch bleibt TÜBINGEN. In der Neckarstadt müssen Stadtbewohner und Touristen seit 2018 keine Tickets mehr ziehen, wenn sie samstags die Buslinien nutzen wollen. Die Stadtwerke Tübingen (swt) sind zufrieden mit der Entwicklung: Die Zahl der Fahrgäste habe sich samstags von 30,1 Menschen pro Fahrt im Jahr 2017 auf 38,5 Fahrgäste im Jahr 2019 erhöht, sagt swt-Sprecher Ulrich Schermaul. Für das vergangene Jahr liegen wegen der Pandemie keine vergleichbaren Zahlen vor.

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Auch in ULM kann samstags gratis gefahren werden, das Angebot gilt aber nur noch bis Ende des Jahres.

Das Modell ist eine Ausnahme, wie Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) sagt. Öffentliche Verkehrsmittel dauerhaft kostenlos anzubieten, erfordere erheblich mehr Zuschüsse als ein ticketfreies Wochenende. «Schon heute ist jedes Ticket etwa zur Hälfte von der öffentlichen Hand gefördert», sagt Hermann. «Das heißt, die Aufgabenträger Land, Verkehrsverbünde oder Kommunen müssten die Mittel zur Kostendeckung mindestens verdoppeln.»

Städte wie KARLSRUHE und HEILBRONN halten sich daher auch streng zurück und verweisen auf besondere Preismodelle und Angebote, mit denen Abonnenten überzeugt oder gehalten werden sollen.

In der Fächerstadt und in Heilbronn fiel die «Barriere Fahrpreis» 2019 zumindest an den Adventssamstagen, um den Verkehr zu entlasten. Zum Vorgehen in der kommenden Adventszeit gibt es noch keine Entscheidung der HNV (Heilbronner-Hohenloher-Haller-Nahverkehr GmbH), wie eine Heilbronner Stadtsprecherin sagte. /dpa