Strafen: Maßnahmen werden in Karlsruhe gegen Bettler verschärft

Auf einer Sitzbank in einem Bahnhof liegt ein obdachloser Mann unter einer Rettungsdecke und schläft. Im Hintergrund steht ein ICE, während Reisende vorbeilaufen. In Karlsruhe gelten neue Gesetze gegen Bettler.
Symbolbild © imago/Hanno Bode

Die Stadt Karlsruhe schärft das Schwert gegen Bettler. Denn ab sofort drohen empfindliche Bußgelder für das Ansprechen von Passanten. Doch im Rathaus entbrannte dazu ein erbitterter Streit.

Aufdringliche Bettler müssen in Karlsruhe jetzt mit drastischen Konsequenzen rechnen. Die Stadt zieht die Zügel an und verschärft die Strafen gegen aggressives Betteln massiv.

Ab sofort verboten: Das Festmahl für die Tiere hat ein Ende

Es wurde hitzig im letzten Gemeinderat des Jahres 2025. Am Ende standen neue, klare Regeln – und eine politische Niederlage für diejenigen, die noch weitergehen wollten. Bevor der Streit um die Bettler eskalierte, konnte man einen anderen Punkt fast im Konsens beschließen: Das Füttern von Wildtieren ist jetzt auf öffentlichen Flächen in Karlsruhe generell untersagt. Bisher galt das Verbot nur für Tauben. Künftig ist es tabu, auf Straßen, Plätzen oder in Parks auch Nutria, Waschbären, Wildkaninchen oder Gänse zu füttern. Der Grund: Artenschutz, Überpopulation und die Vermeidung von Verschmutzung und Schäden. Wer dagegen verstößt, riskiert ein Bußgeld von 5 bis 5.000 Euro.

Und dann kam der explosive Teil. Die Debatte eskalierte am Vorschlag der Verwaltung, das Betteln in der belebtesten Einkaufsstraße der Stadt, der Kaiserstraße, für zehn Stunden täglich komplett zu untersagen. Dieser Vorstoß spaltete den Rat in zwei Lager. Auf der einen Seite standen die Befürworter eines strikten Vorgehens, die den Schutz der Passanten und Geschäfte in den Vordergrund stellten. Sie argumentierten, dass ein übermäßiges Aufkommen in Karlsruhe eine Belästigung darstellt – insbesondere durch organisierte Bettler. Auf der anderen Seite formierte sich eine Allianz, die sich entschieden gegen ein pauschales Verbot aussprach. Ihre zentrale Botschaft war, dass man Armut niemals kriminalisieren dürfe. Betteln sei ein sichtbarer Ausdruck sozialer Realität. Nach hitzigen Wortgefechten setzte sich die zweite Position durch.

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Konsequent gegen Bettler: Der explosive Vorschlag erhitzt Gemüter

Die Debatte führte dennoch zu einer Verschärfung. Zwar bleibt das Auftreten von Bettlern in Karlsruhe an sich legal, doch die Formen werden enger gefasst. Künftig explizit verboten sind einschüchternde Praktiken, körperliche Belästigungen wie An-der-Kleidung-Zupfen, das Blockieren des Weges, das Vortäuschen von Notlagen sowie der Einsatz Minderjähriger. Verstöße werden mit Bußgeldern geahndet. Doch sollen diese Sanktionen erst bei wiederholtem Fehlverhalten folgen.

Die Entscheidung zeigt den schmalen Grat zwischen Sicherheitsbedürfnissen und dem Schutz der Würde aller Menschen. Karlsruhe wählte diesmal einen Mittelweg: Nicht das Betteln an sich, sondern seine aggressiven Formen wurden geächtet. Die Kaiserstraße bleibt also offen, doch die Regeln für ein respektvolles Miteinander sind nun klarer.

(Quellen: eigene Recherche der KA-Insider-Redakteure, Mitteilung der Stadt Karlsruhe, Beschlüsse des Karlsruher Gemeinderats)