Tierschützer schlagen Alarm: Wichtige Karlsruher Straße gesperrt

Ein Schild warnt vor einer möglichen Krötenwanderung oder Frosch-Invasion. Zu einer bestimmten Jahreszeit wechseln die Frösche hier die Straßenseite, um in die Feuchtgebiete zu gelangen. Autofahrer sollten vorsichtig sein und bremsen.
Symbolbild © imago/Waldmüller

Tierschützer schlagen Alarm: In Karlsruhe müssen Autofahrer und Radfahrer jetzt umdenken. Eine vielgenutzte Straße wird nun gesperrt. Grund hierfür sind winzige Wanderer mit riesigem Schutzstatus.

Sie sind klein, selten und bringen in Karlsruhe den Verkehr zum Erliegen. Tierschützer schlagen Alarm, denn die Tiere sind auf gefährlicher Wanderschaft – und brauchen freie Bahn.

Eine Geduldsprobe für alle, die zwischen Hauptbahnhof und Durlach pendeln

Wenn die Temperaturen steigen und der Regen fällt, erwachen in Karlsruhe die Frühlingsgefühle. Das gilt zumindest für die Amphibien. Doch was für Molche und Kröten der Beginn der Paarungszeit ist, wird für Autofahrer und Radfahrer wieder zur Geduldsprobe. Denn am Mastweidenweg am Kleingartenverein Mastweide in Durlach ist seit einigen Jahren ein regelrechter Ansturm von Kammmolchen zu beobachten. Die seltenen Tiere queren hier auf dem Weg zu ihren Laichgewässern einen stark frequentierten Radweg, der auch von Autos der Kleingärtner genutzt wird. Das Problem: Kammmolche stehen nach dem Bundesnaturschutzgesetz unter strengem Schutz. Und dieses Jahr ist ihr Aufkommen so hoch wie nie zuvor. Die Stadt sah keine Alternative mehr – sie hat den Weg gesperrt.

Bis voraussichtlich 30. März 2026 gilt daher täglich von 18 bis 6 Uhr eine vollständige Sperrung für Autos und Radfahrer. Wer vom Hauptbahnhof nach Durlach oder zurück muss, weicht über Ostring und Durlacher Allee aus. In den vergangenen Jahren reichte es aus, dass ehrenamtliche Helfer die Tiere einzeln einsammelten und über die Straße trugen. Doch in diesem Jahr ist das Aufkommen der Kammmolche so hoch wie nie: Die Helfer schaffen es nicht mehr, alle Tiere rechtzeitig zu retten. Deshalb sperrt die Stadt den Weg nun komplett. Die Helfer sind trotzdem im Einsatz, jetzt sogar sicherer: Ohne Verkehr können sie die Molche in Ruhe von der Fahrbahn sammeln.

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Tausend winzige Beine – der Kammmolch auf gefährlicher Reise

Wann die Amphibien ihre Reise beenden, ist völlig offen. Die Wanderung ist stark witterungsabhängig, erklärt die Stadt. Steigende Temperaturen und Regen können die Tiere spontan in Bewegung setzen – aber auch abrupt stoppen. Die Sperrung könnte sich daher um bis zu 14 Tage verschieben, nach vorne oder hinten.

So unberechenbar das Wetter, so dringend ist die Hilfe vor Ort. Die Amphibienschutzgruppen in Karlsruhe suchen dringend Verstärkung. Wer mit anpacken möchte, kann sich beim Umwelt- und Arbeitsschutz der Stadt melden. Denn so sehr die Sperrungen nerven mögen, sie schützen eine Tierart, die ohne Hilfe keine Chance hätte.

(Quellen: Stadt Karlsruhe, Angaben zum Amphibienschutz)