
Erst die Energiepreise, dann die Rohstoffkosten: Eine Insolvenz in der Region Karlsruhe zeigt, wie sehr das Bäckerhandwerk unter Druck steht. Der Name ist vielen seit Generationen vertraut.
Eine Insolvenz in der Region Karlsruhe erschüttert das Handwerk. Das traditionsreiche Unternehmen kämpft um sein Überleben – und hofft auf einen Neuanfang.
Als die Preise explodierten: Warum eine der ältesten Bäckereien der Region ins Straucheln gerät
Wer in Karlsruhe aufgewachsen ist, kennt den Duft. Diesen warmen, mehligen Geruch, der morgens aus den Filialen strömt. Seit 1904 backt die Familie Neff für die Stadt – über vier Generationen, zwei Weltkriege und unzählige Frühstücke hindurch. Doch jetzt ist die Traditionsbäckerei ins Straucheln geraten: Die Rudolf Neff GmbH hat Insolvenz in Eigenverwaltung beantragt. Das Amtsgericht Karlsruhe gab dem Antrag am 24. Februar statt. 19 Standorte in Karlsruhe, Pforzheim, Rastatt und der Region sind betroffen, rund 200 Mitarbeiter bangen um ihre Zukunft. Zumindest vorerst sind sie abgesichert: Für Februar, März und April springt das Insolvenzgeld ein.
Die Gründe für die Schieflage ähneln denen vieler Handwerksbetriebe. Doch Neff trafen sie mit voller Härte. Seit dem Ukrainekrieg sind die Energiepreise explodiert. Bis zu 500 Prozent mehr zahlt das Unternehmen für den Betrieb seiner Öl- und Gasöfen. Gleichzeitig verteuerten sich Rohstoffe wie Weizen-, Roggen- und Dinkelmehl dramatisch. Die Mehrkosten konnte die Bäckerei nur zum Teil an die Kunden weitergeben. In Zeiten der Inflation greifen Verbraucher eben doch lieber zur günstigeren Alternative. Hinzu kommen der Fachkräftemangel, die körperlich anstrengende Arbeit mit Nacht- und Wochenendschichten und die gestiegenen Mindestlöhne. Ein Teufelskreis, an dem viele Bäckereien längst zerbrochen sind.
Zweite Chance: Mit alter Rezeptur in eine neue Zukunft
Doch Neff will nicht aufgeben. Das Verfahren in Eigenverwaltung bedeutet: Die Geschäftsführung bleibt im Amt, wird aber von externen Sanierungsexperten begleitet. Die Produktion läuft uneingeschränkt weiter: Alle Filialen haben geöffnet, während die Kunden von der Krise nichts merken – so zumindest der Plan.
Die Geschäftsführung zeigt sich kämpferisch und steht zu ihrer Verantwortung. Auch die Sanierungsexperten sind zuversichtlich. Brot und Brötchen gehörten nun mal zur Grundversorgung, das Konzept habe das Gericht überzeugt. Ob die Rettung gelingt, wird sich in den kommenden Monaten zeigen. Fest steht: Für viele Karlsruher wäre es mehr als nur eine Insolvenz. Es wäre das Ende eines Stücks Stadtgeschichte.
(Quellen: Unternehmensmitteilung, zuständiges Amtsgericht, dpa)














