Wegen Einbrüchen: Kult-Laden bei Karlsruhe muss schließen

Ein Geschäft hat die Aufschrift "Wir schließen" direkt an der Fensterfront. Das Unternehmen ist vielleicht für immer geschlossen und ist vermutlich insolvent. Das gesamte Gebäude sieht verlassen aus. Bei Karlsruhe muss ein Kult-Laden schließen.
Symbolbild © imago/Michael Gstettenbauer

Wegen einer dreisten Diebstahlserie ist hier erstmal Schluss. Der folgende Kult-Laden bei Karlsruhe hat seine Türen jetzt geschlossen. Das Vertrauen ist verspielt, die Zukunft ungewiss.

Es ist das traurige Ende einer echten Revolution. Der beliebte Kult-Laden bei Karlsruhe und sein innovatives Nahversorgungskonzept müssen bis auf Weiteres schließen.

Nächtliches „Picknick“ mit gestohlener Ware: Ein Schlag für die lebendige Nahversorgung

Das Franchise-Unternehmen Tante M hat sich die Nahversorgung im ländlichen Raum auf die Fahnen geschrieben. In dem kleinen Kult-Laden bei Karlsruhe fanden Kunden seit September 2024 zu jeder Tages- und Nachtzeit über 1.200 Artikel des täglichen Bedarfs. Von Grundnahrungsmitteln über Drogerieprodukte bis zu regionalen Frischewaren. Das personallose Konzept sollte die Kosten niedrig und die Preise fair halten. Bezahlt wurde an Selbstbedienungskassen mit EC- oder Guthabenkarte, was auch Kindern kleine Besorgungen ermöglichte. Dieses Modell des vertrauensbasierten Einkaufens ist nun jedoch vorläufig gescheitert. Der Franchise-Nehmer Jörn Lauber sah sich nach eigenen Angaben schon länger mit Verlusten durch Diebstahl konfrontiert.

Ein besonders dreister Vorfall Ende Oktober markierte das vorläufige Aus. Denn ein unbekannter Mann entwendete körbeweise Ware aus dem Neibsheimer Geschäft. Um Käsewürfel, Schinken, Oliven und andere Lebensmittel zu transportieren, bediente er sich kurzerhand der im Laden verwendeten Obst- und Gemüsekörbe. Ein Zeuge beobachtete, wie der Mann später in der Nacht an der nahegelegenen Bushaltestelle „Kirche“ saß und aus den gestohlenen Vorräten aß. Ortsvorsteher Michael Koch fand die beiden gefüllten Körbe am darauffolgenden Montagmorgen an besagter Stelle. Die Polizei bestätigt zwar nur drei angezeigte Diebstahldelikte aus dem Laden, bei denen der Schaden im zweistelligen bis niedrigen dreistelligen Bereich lag. Der Betreiber sprach jedoch von entwendeten Waren im Wert mehrerer tausend Euro, die dem Kult-Laden bei Karlsruhe seit Eröffnung entwendet wurden.

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Verzweiflung: Neustart mit Sicherheitstechnik ist bereits gescheitert

Nun will man ein komplett neues Sicherheitssystem mit Zugangskontrolle, Kameras, KI und Displays installieren. Erst wenn dieses im April 2026 fertig ist, wird der Laden wieder öffnen. Bis dahin fehlt in Neibsheim jedoch ein zentraler Versorgungspunkt.

Die vorläufige Schließung ist ein tiefer Einschnitt für die Nahversorgung. Sie bedeutet den Verlust der Unabhängigkeit von Öffnungszeiten für die Gemeinschaft. Ob das hochgerüstete Sicherheitskonzept künftig den Spagat zwischen Zugänglichkeit und Diebstahlschutz schafft, muss sich erst zeigen.

(Quellen: eigene Recherche der KA-Insider-Redakteure)