
Bürger gegen Atommüll: In der Nähe von Karlsruhe wächst der Widerstand gegen ein Zwischenlager mit hoch radioaktiven Abfällen. Die Menschen sorgen sich um ihre Sicherheit.
Das Zwischenlager ist zwar schon seit Jahren in Betrieb, doch der neueste Zuwachs wirft Fragen auf. Bürger und Kommune stellen sich gegen noch mehr Atommüll.
Gefahr: 106 Castor-Behälter liegen in dem Zwischenlager bei Karlsruhe
Es geht um Sicherheit, um Verantwortung und um eine Last, die eine Region womöglich noch Jahrzehnte tragen muss. In Baden-Württemberg haben Bürger und eine Kommune gegen die Lagerung von hoch radioaktivem Atommüll geklagt. Denn sie fürchten, dass alte Schutzkonzepte neuen Bedrohungen nicht mehr standhalten. Der Streit landet somit vor dem höchsten Verwaltungsgericht des Landes. Ganz konkret geht es dabei um das Atommüll-Zwischenlager Philippsburg im Landkreis Karlsruhe. Auf dem Gelände des ehemaligen Kernkraftwerks lagern inzwischen 106 Castor-Behälter mit hoch radioaktivem Material – darunter auch vier Behälter, die erst vor Kurzem aus der französischen Wiederaufarbeitungsanlage La Hague nach Deutschland zurückgebracht wurden.
Geklagt haben nun die Stadt Philippsburg sowie drei Anwohner. Ihr Vorwurf: Die Sicherheitslage habe sich grundlegend verändert und werde bei den Genehmigungen nicht ausreichend berücksichtigt. Im Zentrum der Klagen stehen Szenarien, die lange als unwahrscheinlich galten: Drohnenangriffe, Terrorakte, gezielte Flugzeugabstürze. Spätestens seit dem Ukraine-Krieg, so die Kläger, müsse man neu bewerten, welchen Risiken kritische Infrastruktur ausgesetzt sei. Zudem bezweifeln die Bürger, dass man den Atommüll in dem Zwischenlager für längere Zeit aufbewahren kann. Die Genehmigung läuft zwar offiziell bis 2047, doch weil ein Endlager für hoch radioaktiven Müll in Deutschland weiter fehlt, könnte man den Standort Philippsburg noch weit darüber hinaus gebrauchen.
Alte Sicherheitskonzepte, neue Bedrohungen: Kommune und Bürger wollen nicht aufgeben
Nach intensiver Prüfung hat der Verwaltungsgerichtshof Baden-Württemberg (VGH) die Klagen nun abgewiesen. Die Richter folgten damit der Einschätzung der zuständigen Bundesbehörden. Eine schriftliche Begründung steht noch aus, das Urteil ist also noch nicht rechtskräftig.
Der Fall Philippsburg zeigt, zu welchen Spannungen Atommüll bei den Bürgern führt. Viele Zwischenlager sorgen für ähnliche Unsicherheit, während ein Endlager weiter auf sich warten lässt.
Der Atommüll bleibt also – und das womöglich noch länger als geplant. Die Menschen vor Ort tragen eine Verantwortung, die Generationen überdauert. Juristisch ist der Weg vorerst beendet, die Sorge der Bürger nicht.
(Quellen: Gericht Karlsruhe, Eigene Recherche der KA-Insider-Redakteure)














