100 km weniger: E-Autos verlieren ihre Reichweite im Winter

Auf der Windschutzscheibe eines weißen Autos liegt eine dünne Schneeschicht. In den Schnee ist das Wort "E-Auto" in Großbuchstaben geschrieben.
Symbolbild © imago/Bihlmayerfotografie

Die Reichweite im Winter ist für Elektroautos eine echte Herausforderung. Kälte, Schnee und der erhöhte Energiebedarf für Heizung und Akku können aus 420 Kilometern schnell nur noch 294 machen.

Wenn der Winter kommt, schrumpft die Reichweite von Elektroautos – plötzlich zeigt sich, dass Stromer nicht nur leise, sondern auch kälteempfindlich sind.

Eiskalte Überraschung für Elektroautos

E-Autos gelten als leise, sauber und zukunftsweisend – doch was viele erst merken, wenn die Temperaturen fallen: die drastischen Reichweitenverluste im Winter. Während Benziner und Diesel bei Frost meist weiterfahren wie gewohnt, kämpfen Stromer mit einem unsichtbaren Gegner: der Kälte. Minusgrade setzen den Akkus zu. Chemische Prozesse laufen langsamer, weniger Energie steht zur Verfügung. Gleichzeitig benötigt das Auto mehr Strom, um Innenraum und Batterie auf Betriebstemperatur zu bringen. Schnee, nasser Untergrund oder Matsch verstärken das Problem zusätzlich.

Bei Temperaturen unter 20 Grad sinkt die Reichweite laut Experten um etwa ein Prozent pro Grad. Wer also bei minus fünf Grad losfährt, kann schon mit rund 25 Prozent weniger Strecke rechnen. Bei noch tieferen Temperaturen verschärft sich der Effekt weiter: Bei minus zehn Grad sind Einbußen von rund dreißig Prozent realistisch. Aus 420 Kilometern Reichweite werden so knapp 294 Kilometer. Komfortfunktionen wie Sitz- oder Lenkradheizung, Heckscheibenheizung oder aufgeheizte Innenräume saugen zusätzlich Strom aus dem Akku. Auch der Reifendruck sinkt bei Kälte, was den Energieverbrauch weiter erhöht.

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So kommen Stromer sicher durch den Winter

Doch es gibt Tricks, wie man die Reichweite im Winter ein Stück weit retten kann. Moderne Elektroautos lassen sich beispielsweise per App vorwärmen, solange sie noch an der Ladesäule hängen. So wird der Akku geschont und der Start angenehmer. Der Eco-Modus kann zusätzlich helfen: Er spart Energie für die Heizung und reduziert die Kraftübertragung auf die Räder. Kurz nach der Fahrt im warmen Zustand laden verlängert zudem die Lebensdauer der Batterie.

Der ADAC empfiehlt außerdem, Türen und Fenster nur kurz zu öffnen, die Heizung auf Umluft zu schalten, auf Sitz- und Lenkradheizung zu verzichten und kurze Fahrten mit langen Standzeiten zu vermeiden. Wer denkt, schonendes Fahren würde die Batterie schonen, irrt: „Reales Fahren“ mit normalem Beschleunigen und Bremsen ist laut Studien sogar besser für die Lebensdauer und Reichweite. Ein Faktor, der im Winter besonders ins Gewicht fällt, ist zudem die Geschwindigkeit: Hohe Geschwindigkeiten auf Autobahnfahrten drücken die Reichweite zusätzlich – egal ob im Sommer oder Winter.

(Quellen: ADAC, Verbraucherschutz, Auto Motor Sport)