ADAC-Crashtest überrascht: 35 km/h sind wohl gefährlicher als 50

An einer viel befahrenen Straße steht ein Schild mit dem vorgegebenen Tempo 30. Darunter befindet sich ein weiteres, rechteckiges Schild mit der Aufschrift "Lärmschutz".
Symbolbild © imago/Funke Foto Services

35 km/h statt 50? Was auf den ersten Blick nach mehr Sicherheit klingt, entpuppt sich im neuen ADAC-Crashtest als brisante Erkenntnis: Niedrigere Geschwindigkeiten sind wohl gefährlicher als gedacht.

Ein Tempo-Irrtum erschüttert die Verkehrswelt – ein neuer Crashtest zeigt, warum weniger km/h nicht automatisch mehr Schutz bedeuten.

Wenn der Gurt zur Gefahr wird

„Langsamer ist sicherer“ – kaum eine Regel scheint unumstößlicher. Doch genau diese Gewissheit bringt ein aktueller ADAC-Crashtest ins Wanken. Bei einem Frontalaufprall mit 35 km/h erlitten die Insassen auf den Vordersitzen teils schwerere Verletzungen als beim klassischen Test mit 50 km/h. Gurtkraftbegrenzer sollen bei einem Aufprall verhindern, dass der Brustkorb durch den Sicherheitsgurt zu stark belastet wird. Doch viele Systeme sind auf höhere Geschwindigkeiten optimiert. Bei 35 km/h greifen sie offenbar nicht wie vorgesehen ein.

Die Folge: Autofahrer und Beifahrer werden beim Crash weniger abgefedert, der Brustkorb wird stärker eingedrückt. Der ADAC testete für den Vergleich den Kleinwagen MG3, der bereits 2025 den Standard-Frontaltest mit 50 km/h absolviert hatte. Während der Dummy auf der Rückbank vom geringeren Tempo profitierte, stiegen die Messwerte für die Belastung von Fahrer und Beifahrer deutlich an.

Sicherheits-Revolution ab 2026

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Die Erkenntnisse kommen nicht zufällig. Euro NCAP, die europäische Organisation für Fahrzeugsicherheit, läutet 2026 die größte Reform ihres Bewertungssystems seit 2009 ein. Künftig wird nicht mehr nur der klassische 50-km/h-Test entscheidend sein. Stattdessen gibt es eine neue Vier-Stufen-Struktur: sicheres Fahren, Unfallvermeidung, Unfallschutz und Sicherheit nach dem Unfall. Rückhaltesysteme werden künftig bei 35, 50 und 56 km/h geprüft.

Doch damit nicht genug. Erstmals bewertet man Assistenzsysteme im realen Straßenverkehr. Physische Tasten für wichtige Funktionen bringen Pluspunkte. Elektrische Türgriffe, die nach einem Unfall versagen, kosten wertvolle Punkte. Selbst die Genauigkeit der Tempolimit-Erkennung wird überprüft. Für Elektroautos gelten zusätzliche Anforderungen: Die Hochvoltbatterie muss sicher isoliert sein, und das Fahrzeug muss vor möglicher Brandgefahr warnen. 2025 traten 91 Modelle zum Sicherheits-Check an. Ganz vorn: der Mercedes CLA, gefolgt vom Tesla Model Y und Model 3. Schlusslicht ist der Dacia Bigster – allerdings auf insgesamt hohem Sicherheitsniveau. Experten-Tipps für Verbraucher: Zusätzliche Sicherheitspakete können den Schutz deutlich erhöhen. Zudem lohnt sich ein Blick ins Handbuch, denn moderne Fahrzeuge verfügen oft über mehr Funktionen, als auf den ersten Blick ersichtlich ist.

(Quellen: ADAC – Ergebnisse aktueller Crashtests, ADAC Technikzentrum Landsberg, Berichte zur Fahrzeugsicherheitsforschung)