Aktion: Rentner tauschen Führerschein gegen Deutschlandticket

Zahlreiche Fahrgäste steigen in die S-Bahn bzw. in einen Zug ein und nehmen in einem Abteil Platz. Sie stehen in der Reihe und haben vorher ein Ticket gelöst. Danach fahren sie mit dem Zug über die Strecke und kommen nach gesetzter Zeit pünktlich ans Ziel.
Symbolbild © imago/Panama Pictures

Diese Aktion ist etwas ganz Besonderes. Denn nun tauschen Rentner ihren Führerschein gegen das Deutschlandticket. Und das hat einen guten Grund, den viele Menschen so gar nicht kennen.

Inzwischen tauschen Rentner ihren Führerschein gegen das Deutschlandticket. Derzeit ist in der Bundesrepublik eine ganz besondere Aktion am Laufen. Viele Menschen kennen die Hintergründe gar nicht.

Das ist eine ganz besondere Aktion

In Deutschland läuft derzeit an mehreren Orten ein ungewöhnliches Mobilitätsprojekt, bei dem primär ältere Menschen ihren Führerschein abgeben und dann ein kostenloses Deutschlandticket erhalten. Die Idee dahinter: Autoverzicht fördern, Umwelt entlasten und den öffentlichen Nahverkehr stärken. Angebote dieser Art sind aktuell in Städten und Kreisen wie Bonn, Dortmund, Leverkusen oder dem Ennepe-Ruhr-Kreis aktiv. Weitere Aktionen im Stil „Führerschein gegen Deutschlandticket“ sollen folgen.

Das Prinzip ist denkbar einfach, aber mit einer weitreichenden Entscheidung verbunden. Denn Menschen, vor allem im Rentner- oder Seniorenalter, geben ihren Führerschein dauerhaft bei der zuständigen Behörde ab. Dafür erhalten sie ein Deutschlandticket, sodass sie ohne zusätzliche Kosten den gesamten Nahverkehr nutzen können. Wie lange das kostenlose Deutschlandticket im Austausch mit dem Führerschein gilt, variiert dabei von Kommune zu Kommune. So gilt das Ticket in Bonn für sechs Monate, in Dortmund lediglich für zwei. Einige Anbieter wie die RLG im Kreis Soest und im Hochsauerlandkreis haben ähnliche Aktionen gestartet. Auch hier können Personen ab 60 Jahren den Führerschein abgeben und ein Deutschlandticket erhalten.

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Rentner sind jetzt verstärkt mit den öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs

Diese Aktionen sind Teil einer breiteren Kampagne zur Verkehrswende in Deutschland. Städte und Kommunen hoffen, dass durch solche Anreize mehr Menschen vom eigenen Auto auf den öffentlichen Verkehr umsteigen. Insbesondere für ältere Menschen bietet der Umstieg eine Chance, mobil zu bleiben. Trotz der positiven Resonanz gibt es auch kritische Stimmen. In einigen Städten – etwa München – hat man solche Tauschangebote aus rechtlichen und praktischen Gründen abgelehnt. Hier argumentieren Behörden, dass die Aktion schwierig umzusetzen sei oder nicht den rechtlichen Vorgaben entspreche.

Zudem zeigen Studien, dass selbst mit preislich attraktiven Tickets viele Menschen weiterhin auf das Auto setzen. Nur ein Teil der Menschen, die den Führerschein gegen das Deutschlandticket tauschen, fährt am Ende wirklich weniger Auto. Das begrenzt die Wirkung solcher Programme, insbesondere, wenn es keine gut ausgebauten Verkehrsnetze gibt.

(Quellen: eigene Recherche der KA-Insider-Redakteure, Angaben der teilnehmenden Städte und Kommunen)