„Besseres Gefühl“: E-Autos sollen bald wie Verbrenner klingen

Auf diesem Bild ist ein Elektroauto zu sehen, das auf einer Automesse vorgestellt wird. Mehrere Besucher umgeben das Fahrzeug, betrachten es aus nächster Nähe und begutachten das Design.
Symbolbild © imago/NurPhoto

Bald könnten E-Autos offiziell wie alte, laute Verbrenner klingen. Klar ist schon jetzt: Diese neue Entwicklung wird in unserer Gesellschaft für eine Menge Zündstoff sorgen.

E-Autos sollen schon bald wie Verbrenner klingen, weil Hersteller wie Porsche auf emotionale Sounds per Knopfdruck drängen. Klingt merkwürdig – ist es auch. Und diese Regelung hat mindestens so viele Fans wie auch Gegner.

Gefühl auf Knopfdruck: Künstlicher Sound soll klassischen Fahrspaß auch im E-Auto möglich machen

Hinter dieser künstlichen Geräuschkulisse steckt eine handfeste Lobbyarbeit. Es war vor allem der Welt-Autoherstellerverband OICA, der bei der UNECE (Wirtschaftskommission der UN für Europa) darauf gedrängt hat, die Regelungslücke zu schließen – und zwar nicht durch leisere Vorgaben, sondern durch die offizielle Erlaubnis für sogenannte Exterior Sound Enhancement Systeme (ESES). Die EU-Kommission und mehrere Mitgliedsstaaten sollen zwar eigentlich dagegen sein und die Außenbeschallung nur aus Sicherheitsgründen erlauben wollen, doch in den Genfer Verhandlungen sitzt die Autolobby mit am Tisch. Ein kleiner Teilerfolg für Kritiker: Falls die Regelung kommt, muss der Fahrer die künstlichen Geräusche zumindest aktiv per Knopfdruck freigeben. Somit sind sie also nicht automatisch bei jeder Fahrt an.

Die Idee, auf Knopfdruck den satten Klang eines V8 zu hören – das klingt für viele Autofans nach Emotion, nach diesem klassischen Automobilgefühl, das einfach dazugehört. Hersteller wie Porsche arbeiten längst an solchen Systemen. Und mal ehrlich: Auf der Autobahn, bei voller Fahrt, wen stört da ein wenig extra Sound unterm Auto? In der Stadt, in der die Ruhe wirklich zählt, würde man den Knopf ja schließlich nicht drücken.

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Als hätten wir keine anderen Probleme: Die Kritiker werden lauter

Dann gibt es die andere Seite, und die fragt sich: Haben wir keine anderen Probleme? Gerade erst haben wir es geschafft, eine saubere, schnelle und vor allem leise Mobilität zu entwickeln – ein Gewinn für die Lebensqualität in Städten, für Anwohner, für Natur und Umwelt, so die Argumentation der Kritiker. Und jetzt? Jetzt kommen ein paar Traditionalisten daher und wollen, dass wieder alles ist wie früher: schön laut. Als Nächstes kommt dann noch die künstliche Abgaswolke, damit es auch ordentlich stinkt, provozieren die ersten Gegner bereits. Es fühlt sich an wie ein Rückschritt, kaum dass man das Ziel der Stille erreicht hat, argumentieren sie.

Egal, auf welcher Seite man in dieser Debatte steht, es ist klar, dass dieses Thema unsere Gesellschaft vermehrt zu spalten droht. Ob die Regelung kommt oder nicht: Wir hoffen auf einen friedlichen Ausgang, mit dem jeder glücklich leben kann.

(Quellen: eigene Recherche der KA-Insider-Redakteure, taz)