Erste Straßen in Deutschland werden mit Lebensmittelresten gebaut

Eine orangefarbene Dampfwalze verdichtet eine Schicht Asphalt. Die große Maschine fährt über den Belag und walzt den Teer platt, um neue Straßen zu bauen.
Symbolbild © istockphoto/Smederevac

Für den Klimaschutz ist kein Weg zu weit und keine Methode zu verrückt. In Deutschland baut man jetzt Straßen mit Lebensmittelresten. Anscheinend ist der klassische Straßenbau veraltet.

Die übliche Methode, Straßen zu bauen, ist ungefähr 100 Jahre alt. Doch diese alte Technik könnte bald schon von einer neuen abgelöst werden. Im Süden Deutschlands fängt man jetzt an, Straßen aus Lebensmittelresten zu bauen.

Revolution im Straßenbau: Lebensmittelreste dienen jetzt als Bio-Bindemittel

Während die Planungen für einen XXL-Windpark im Landkreis Karlsruhe laufen, testet man in der Hauptstadt Baden-Württembergs eine völlig neue Variante, Fahrbahnen anzulegen. Was diese Vorhaben verbindet: Sie beide wollen einen wichtigen Beitrag zum Umweltschutz leisten. Dazu schreckt man in Deutschland auch nicht davor zurück, Lebensmittelreste zu verwenden – für die erste Straße ihrer Art. Zurzeit legt man diesen Pionier-Weg in Stuttgart-Nord an. Denn auch wenn sich das gut erprobte Schema des klassischen Straßenbaus das gesamte 20. Jahrhundert über als erfolgreich herausgestellt hat, ist es Zeit für Änderungen. Denn die für den Straßenbau üblicherweise gebrauchten Bindemittel sind Bitumen oder Zement. Ersteres erschöpft die fossile Ressource Erdöl. Zweiteres setzt in seiner Produktion erheblich viel CO₂ frei. Deshalb heißt es nun: Vorhang auf für Lebensmittelreste!

Und zwar handelt es sich bei den Lebensmittelresten, die man im Süden Deutschlands jetzt an der ersten Straße testet, um Cashewnüsse. Genauer gesagt geht es um die Schalen der leckeren Snacks, welche sowieso niemand isst. Es ist also eine Win-win-Situation, weil man somit gleichzeitig Abfall einspart. Bei der Verarbeitung der Schalen fällt nämlich Cashewschalenöl an, das ein wenig dickflüssiger als Bitumen ist. Trotzdem kann man dieses Öl (CNSL) chemisch so verarbeiten, dass es ähnliche funktionale Eigenschaften wie Bitumen aufweist. Sollte das Cashewschalenöl es schaffen, Gesteinskörnungen wie Kies und Sand so zu binden, dass man guten Asphalt herstellen kann, wäre das genial. Diese Methode würde nicht nur Abfall reduzieren, sondern auch die allgemeine Abhängigkeit von Erdöl verringern.

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Es würde nicht nur die Emissionen senken, sondern auch den Abfall verringern

Wie sich das alternative Bindemittel in der lebensechten Umgebung in Stuttgart-Nord bewähren wird, bleibt abzuwarten. Man muss die Belastbarkeit sowohl durch Autos als auch durch die Witterung überprüfen. Es ist das erste Mal in Deutschland, dass Lebensmittelreste beim Bau von Straßen zum Einsatz kommen – ein vielversprechender Ansatz, der Schule machen könnte. Denn sollte der Test erfolgreich sein, könnte dies den Straßenbau revolutionieren. Die Verwendung von Lebensmittelabfällen würde den CO₂-Ausstoß signifikant senken und eine nachhaltige Alternative zu den bisherigen Verfahren bieten – ein großer Schritt in Richtung umweltfreundlicher Infrastruktur.