EU entscheidet: Verbrenner-Verbot steht vor großer Kehrtwende

Vor einem im Hintergrund hinterlegten und grau durchgestrichenen grauen PKW befinden sich drei Schilder. Auf dem linken blauen sind die gelben Sterne der EU in einem Kreis angerichtet. In der Mitte steht in gelb "EU". Auf dem rechten Schild befindet sich eine schwarze Zeichnung eines Autos, das mit einem roten Kreuz durchgestrichen wurde. Darunter steht auf einem dritten Schild "Verbrennermotoren". Viele Autobauer fordern jetzt das Ende des Verbrenner-Verbots.
Symbolbild © imago/Christian Ohde

Die EU steht beim geplanten Verbrenner-Aus vor einer großen Kehrtwende: Neue Vorschläge aus Brüssel deuten darauf hin, dass Autofahrer künftig wieder mehr Wahlfreiheit beim Tanken bekommen könnten.

In Brüssel bahnt sich eine überraschende Wende an: Das EU-Verbrenner-Verbot wackelt – und plötzlich stehen gleich drei neue Wege fürs Tanken im Raum.

Drei Zapfsäulen statt einer – kommt die Kraftstoff-Wahlfreiheit zurück?

Kurz vor der Vorstellung neuer Pläne deutet vieles darauf hin, dass die EU beim Verbrenner-Aus ab 2035 erheblich zurückrudern könnte. Die EU-Kommission überprüft überraschend das Verbot von Neuwagen mit Verbrennungsmotor. Am Dienstag will die Kommission ihre Vorschläge präsentieren. Eigentlich sollten ab 2035 nur noch Pkw zugelassen werden, die keinerlei CO₂ mehr ausstoßen. Doch der Absatz von Elektroautos stagniert – lediglich siebzehn Prozent aller neuen EU-Pkw fahren derzeit rein elektrisch. Für viele Hersteller sind Verbrenner weiterhin profitabler, und der Druck aus Industrie und Mitgliedstaaten wuchs zuletzt spürbar.

Nun zeichnet sich ab: Autofahrer könnten künftig zwischen Strom, Biokraftstoff und E-Fuels wählen. Für bestehende Fahrzeuge bleibt alles beim Alten, doch neue Modelle mit Verbrennungsmotor könnten dank alternativer Kraftstoffe weiterhin verkauft werden. Auch Range-Extender – E-Autos mit kleinem Benzingenerator – und Plug-in-Hybride rücken wieder stärker in den Fokus. Gerade Letztere sind für viele Hersteller ein lukratives Geschäft. Deutsche Marken dominieren das Segment: 41 Prozent aller in diesem Jahr verkauften Plug-in-Hybride stammen von BMW, Mercedes, Volkswagen und Audi.

Lesen Sie auch
VW senkt kurzfristig Preise für E-Autos – 5000 Euro weniger zahlen

Teure Biokraftstoffe, fehlende Rohstoffe – und wachsender Widerstand

Die Industrie fordert nun einen technologieoffenen Ansatz: mehr Biokraftstoffe im Tank, mehr E-Fuels, mehr Spielraum für hocheffiziente Verbrenner. Doch die Herstellung vieler Biokraftstoffe ist extrem ressourcenintensiv. Ein einziges Auto, das mit tierischen Fetten betrieben wird, verbraucht laut Experten pro Jahr die Fettmenge von 120 Schweinen. Gleichzeitig sind diese Kraftstoffe bis zu 15-mal teurer als Strom für E-Autos.

Auch geopolitisch ist es kompliziert: Europa importiert schon heute den Großteil der benötigten Rohstoffe – und in anderen Branchen wie der Schifffahrt würden die Biokraftstoffe dann fehlen. Trotz dieser Probleme wächst der politische Druck auf Brüssel. Sieben EU-Staaten, darunter Deutschland, Italien und Polen, fordern eine Abschwächung oder komplette Aufhebung des Verbrenner-Verbots. Der Widerstand kommt nicht nur aus der Politik: Mietwagen- und Carsharing-Giganten wie Hertz mussten mit großen E-Auto-Flotten Milliardenverluste hinnehmen – die Kunden blieben fern.

(Quellen: eigene Recherche der KA-Insider-Redakteure, dpa, Reuters, AFP, RND)