Fachkräftemangel: Familie muss mehrere Autohäuser schließen

Ein verlassenes Autohaus und eine ebenso leere Umgebung. An dem weißen Gebäude sind über den Rolltoren die verblassten Buchstaben des Wortes „Service“ zu sehen. Auch der verglaste Eingangsbereich wirkt trostlos.
Symbolbild © istockphoto/tomeng

Die anhaltende Krise der Autoindustrie schlägt immer höhere Wellen. Inzwischen sind nicht mehr nur die Zulieferer und Hersteller betroffen. Auch viele Autohäuser müssen drastische Maßnahmen ergreifen, um zu überleben.

Insolvente Zulieferer und Autobauer, die sich kaum über Wasser halten können, scheinen erst der Anfang zu sein. Jetzt trifft die Krise der Autoindustrie auch die Autohäuser. Doch ist dies nicht das einzige Problem der Unternehmen.

Sinkende Absätze, höhere Ausgaben und Fachkräftemangel

Beinahe alle großen deutschen Autohersteller verzeichneten zuletzt erhebliche Verluste und mussten Stellen kürzen. Die Schlagzeilen über Stellenabbau und Insolvenzanmeldungen, vor allem bei etablierten Konzernen wie Bosch oder ZF Friedrichshafen sowie Mercedes-Benz oder Volkswagen, häufen sich seit Monaten. Doch keiner von ihnen beabsichtigt, kampflos aufzugeben. Insbesondere die großen Konzerne wollen mit Elektromobilität und Innovation voranschreiten, um sich so auf dem globalen Markt behaupten zu können.

Die Probleme der Automobilbranche liegen jedoch nicht allein an sinkenden Absatzzahlen in China und den US-Importzöllen. Auch der stetig wachsende Fachkräftemangel macht der Industrie schwer zu schaffen. Während die bestehende Belegschaft altert und kurz vor der Rente steht, fehlt es überall an Nachwuchs. Die meisten jungen Leute zieht es an die Universität oder in Büro-Jobs. Experten zufolge gibt es aktuell nahezu 200.000 freie Ausbildungsplätze im Handwerk. Immer mehr Betriebe sehen deshalb keine Zukunft und müssen schließen.

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Nach über 100 Jahren: Familie muss mehrere Autohäuser schließen

Ähnlich ergeht es dem Autohaus Christmann mit Sitz in Grünstadt in Rheinland-Pfalz. Der familiengeführte Betrieb feierte 2022 sein 100. Firmenjubiläum. Nun werden zwei der vier Niederlassungen aufgegeben. Dies teilte die Geschäftsführung kurz vor Weihnachten mit. Lediglich der Hauptsitz in Grünstadt bleibt bestehen, sowie die Filiale in der August-Horch-Straße in Worms. Im Laufe des ersten Quartals 2026 stellt der Standort in Ludwigshafen seinen Betrieb ein. Ein zweiter in Worms bleibt nach einem Brandschaden dauerhaft geschlossen.

Somit konzentriert sich das gesamte Geschäft bald nur noch auf zwei Autohäuser. Aus wirtschaftlicher Sicht ist dies scheinbar die richtige Entscheidung, obwohl es keine leichte gewesen sei. Um wettbewerbsfähig zu bleiben und den Kunden den bestmöglichen Service bieten zu können, bündele man jetzt alle verfügbaren Kräfte. In einem Interview gab Geschäftsführer Markus Stiefenhöfer an, dass es vor allem an interessierten und geeigneten Auszubildenden mangele.

(Quellen: Autohaus Christmann GmbH, dpa)