
Deutschlands Wirtschaft kämpft mit einem Problem, das sich kaum beeinflussen lässt: In wichtigen Flüssen fehlt Wasser. Vor allem der niedrige Rheinpegel erschwert den Warentransport. Inzwischen bekommt auch die Industrie die Folgen zu spüren.
Der Rhein gehört zu den wichtigsten Transportwegen der deutschen Wirtschaft. Chemikalien, Mineralöl, Baustoffe und zahlreiche andere Güter gelangen per Schiff zu Unternehmen und Häfen. Doch die lange Trockenheit hat die Pegel in diesem Jahr teilweise auf historische Tiefstände fallen lassen.
Kritische Engstellen und Niedrigwasser – Flüsse mit zu wenig Wasser
Besonders kritisch ist zum Beispiel die Engstelle bei Kaub in Rheinland-Pfalz. Dort sank der Pegel im August zeitweise auf unter zehn Zentimeter und damit auf einen Rekordwert. Bei solchen Wasserständen können Frachtschiffe nur einen Bruchteil ihrer üblichen Ladung aufnehmen. Teilweise müssen Unternehmen zusätzliche Schiffe einsetzen oder ihre Transporte auf Straße und Schiene verlagern. Das macht Lieferungen aufwendiger und teurer. Das Bundesverkehrsministerium spricht weiterhin von großen Herausforderungen für Binnenschifffahrt, Industrie und Logistik.
Mittlerweile schlägt das Niedrigwasser auch auf die Konjunktur durch. Die Bundesbank erwartet für das dritte Quartal einen vorübergehenden Rückschlag für die deutsche Wirtschaft. Als einen der Gründe nennt sie ausdrücklich die niedrigen Wasserstände auf wichtigen Wasserstraßen. Diese würden die industrielle Produktion dämpfen. Wie teuer die Situation am Ende wird, lässt sich derzeit noch nicht beziffern. Die Industrie- und Handelskammern in Rheinland-Pfalz warnen allerdings bereits vor einem enormen Schaden. So hat das extreme Niedrigwasser im Jahr 2018 nach Angaben der IHK Kosten von rund 2,4 Milliarden Euro verursacht.
Niedrigwasser und extreme Trockenheit sind Probleme für die Industrie
Unternehmen haben sich seitdem zwar besser vorbereitet. Einige setzen auf Schiffe mit geringerem Tiefgang, größere Lagerbestände oder alternative Transportwege. Das Grundproblem bleibt jedoch bestehen. Niedrige Pegel bedeuten weniger Fracht pro Schiff und damit höhere Kosten. Besonders Stahl-, Chemie-, Mineralöl- und Grundstoffindustrie sind auf funktionierende Wasserwege angewiesen.
Rund 80 Prozent des deutschen Binnenschiffsverkehrs werden über den Rhein abgewickelt. Die Wirtschaft fordert deshalb zusätzliche Investitionen in Wasserstraßen und Häfen. Denn sollte die Trockenheit häufiger für extremes Niedrigwasser sorgen, könnte aus einem außergewöhnlichen Problem zunehmend ein regelmäßiges Risiko für Deutschlands Industrie werden.
(Quellen: Bundesbank)














