Freigegeben: Deutschlandticket wird für eine Gruppe kostenlos

Viele Menschen tummeln sich an einem Bahnsteig, an dem ein Zug steht. Auf den Anzeigetafeln sind die einzelnen Abfahrtszeiten aufgeführt. Für eine bestimmte Gruppe ist das Deutschlandticket jetzt kostenlos.
Symbolbild © imago/Martin Wagner

Tausende Menschen erhalten das Deutschlandticket jetzt einfach so, womit das ÖPNV-Abo für diese Gruppe komplett kostenlos wird. Das Pilotprojekt wird dabei hoffentlich bundesweit Schule machen.

Eine Vorreiter-Initiative macht es möglich: Ab sofort wird das Deutschlandticket für eine Gruppe von Berufseinsteigern kostenlos. Dies ist ein Meilenstein für die Mobilität.

Gratis-Mobilität: Das Pilotprojekt zeigt Signalwirkung

Ab Februar 2026 wird das Deutschlandticket für eine bestimmte Gruppe tatsächlich kostenlos. Diese gute Nachricht hat jedoch einen entscheidenden Haken: Denn sie betrifft nur einen sehr kleinen, speziellen Kreis. Dieser wichtige Vorstoß gilt nämlich ausschließlich für Auszubildende im Elektrohandwerk in Nordrhein-Westfalen. Für rund 11.000 Azubis übernehmen die Betriebe die monatlichen Kosten von 37,80 Euro für ein vergünstigtes „Deutschlandticket Job“. Die als Pilotprojekt gestartete Initiative wurde zwischen Gewerkschaft, Arbeitgeberverbänden, dem Verkehrsverbund Rhein-Ruhr und dem NRW-Verkehrsministerium vereinbart.

Das Modell folgt dabei einem solidarischen Prinzip. Da alle Azubis der Branche das Ticket erhalten, kann man einen günstigeren Gruppentarif aushandeln. Die Differenz zum Normalpreis wird durch Drittmittel finanziert, wobei das Land NRW eine anfängliche Finanzierungslücke schließt. Das Ziel ist klar: Die Attraktivität der dualen Ausbildung steigern und ein Zeichen für die Gleichwertigkeit von beruflicher und akademischer Bildung setzen. Doch dieser Schritt wirft auch grundsätzliche Fragen auf. Warum wird bezahlbare Mobilität nur dieser einen, kleinen Berufsgruppe in einem Bundesland gewährt? Denn einem Friseurazubi in Bayern oder einer angehenden Verkäuferin in Baden-Württemberg nützt diese Pilotlösung leider absolut gar nichts.

Lesen Sie auch
Immer mehr Deutsche geben ihre Autos ab für Deutschlandticket

Tropfen auf den heißen Stein: Die Schattenseiten des Vorzeigeprojekts

Wenn das Deutschlandticket nur für diese kleine Gruppe kostenlos wird, bleibt der Zugang zu einer essenziellen Voraussetzung für gesellschaftliche Teilhabe – der Mobilität – eine Frage des ausgehandelten Tarifvertrags. Die neue Regelung ist zwar ein wichtiges Symbol, doch, auf das ganze Land bezogen, nur ein Tropfen auf den heißen Stein.

Angesichts von bundesweit 1,2 Millionen Auszubildenden wird die immense Lücke deutlich. Zwar haben weitere Branchen wie das Bäckerhandwerk bereits Interesse signalisiert, dem Beispiel zu folgen. Von einer flächendeckenden, sozial gerechten Lösung für alle, die auf ein bezahlbares Ticket angewiesen sind, sind wir jedoch noch meilenweit entfernt.

Das Pilotprojekt zeigt, dass kostenlose Mobilität für Auszubildende möglich ist. Jetzt muss die Politik allerdings dafür sorgen, dass dieses Versprechen nicht nur für eine auserwählte Gruppe, sondern für alle jungen Menschen Wirklichkeit wird.

(Quellen: eigene Recherche der KA-Insider-Redakteure, Fachverbände des Elektrohandwerks NRW)