Gesetzeslücke: Autofahrer tauschen Blitzer-Strafen einfach aus

Im Vordergrund steht eine rot leuchtende Blitzersäule und kontrolliert den Verkehr auf Temposünder. Die Verkehrsüberwachung dient der Sicherheit auf den Straßen für Autos und Fußgänger. Im Hintergrund ist eine Straße mit Autos zu sehen.
Symbolbild © imago/Bihlmayerfotografie

Punkte sammeln sich und der Führerschein gerät in Gefahr. Doch einige nutzen eine umstrittene Methode: Autofahrer tauschen Blitzer-Strafen aus und umgehen so Punkte und Fahrverbote – gegen viel Geld.

Man wird geblitzt, Punkte sammeln sich und das Fahrverbot rückt näher. Doch einige Autofahrer nutzen einen kaum bekannten Trick, um Strafen zu umgehen.

Strafen umgehen – mit diesem teuren Trick

Zu schnell gefahren, vielleicht sogar schon mehrfach erwischt – das kann für Autofahrer teuer werden. Neben saftigen Bußgeldern sammeln sich Punkte im Fahreignungsregister in Flensburg an. Wer acht Punkte erreicht, muss den Führerschein abgeben. Genau hier beginnt eine Praxis, die offiziell kaum jemand kennt, die aber hinter den Kulissen heiß diskutiert wird.

In bestimmten Fällen lässt sich nämlich vermeiden, dass Punkte oder ein Fahrverbot auf dem eigenen Konto landen. Die Idee ist simpel: Eine andere Person übernimmt den Verstoß. Juristisch bewegt sich das Ganze in einer Grauzone – und wird als sogenannter Punktehandel bezeichnet. Entscheidend ist dabei, wie vorgegangen wird. Meldet sich die Ersatzperson selbst bei der Behörde, ist das Vorgehen bislang nicht automatisch strafbar. Macht hingegen der eigentliche Fahrer falsche Angaben, kann schnell eine Straftat vorliegen. Im Internet haben sich dafür eigene Vermittler etabliert. Sie stellen den Kontakt zwischen Fahrer und Punkteübernehmer her – natürlich gegen Geld. Billig ist das Ganze nicht. Ein bekannter Vermittler nannte in der Vergangenheit folgende Preise: 250 Euro pro Punkt, 300 Euro pro Monat Fahrverbot plus 100 Euro Bearbeitungsgebühr. Das Bußgeld kommt obendrauf. Wer sich also freikauft, zahlt schnell vierstellige Beträge.

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Behörden rüsten auf – Gerichte werden strenger

Ganz unbekannt ist diese Gesetzeslücke den Behörden längst nicht mehr. Polizei und Bußgeldstellen setzen zunehmend auf bessere Blitzertechnik, die Gesichter klarer erkennbar macht. Auch Datenabgleiche werden präziser, die Kontrollmechanismen schärfer. Zudem beschäftigen sich Gerichte immer häufiger mit dem Thema. Zwar besteht die Gesetzeslücke formal weiter, doch mehrere Urteile aus jüngerer Zeit haben den Punktehandel dennoch bestraft. Selbst Anwälte, die Mandanten zu diesem Vorgehen geraten haben, gerieten bereits ins Visier der Justiz.

Laut einer ADAC-Umfrage kennt nur jeder vierte Autofahrer den gewerblichen Punktehandel. Unter Fahrern mit Punkten steigt der Wert allerdings deutlich: 43 Prozent haben schon davon gehört. Der ADAC fordert deshalb mehr Personal in den Bußgeldstellen und eine klare Sanktionierung des Punktehandels. Wer legal Punkte abbauen will, hat übrigens eine Alternative: das Fahreignungsseminar. Es kostet rund 300 bis 400 Euro, dauert nur wenige Stunden und ermöglicht Autofahrern mit bis zu fünf Punkten, einmal pro Jahr einen Punkt abzubauen – ganz ohne Grauzone.

(Quellen: Bußgeldkatalog, Bundesverkehrsministerium)